Das Bildungsministerium in Nordrhein-Westfalen entwickelt aktuell einen digitalen Fortbildungskurs für Lehrpersonen. Ziel des Kurses ist es, Lehrpersonen grundlegendes Wissen und Kompetenzen zur Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) im schulischen Kontext zu vermitteln.
Ein Bestandteil des Kurses ist das Modul «KI & Ethik», in welchem das Thema der «Digital Divides» behandelt wird, also der ungleichen Verteilung digitaler Chancen und Kompetenzen. Vor allem im schulischen Umfeld zeigt sich, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichermassen Zugang zu digitalen Technologien und deren Vorteilen haben.
Zur Unterstützung und Sensibilisierung der Lehrpersonen wurde das didaktische Set «Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit? Soziale Ungleichheiten im digitalen Bereich» in den Kurs integriert. Dieses Set wurde von der Arbeitsgruppe «Digital Equality» der Pädagogischen Hochschule Bern entwickelt. Es wird im Bereich «Vielfalt, Nichtdiskriminierung & Fairness» thematisiert und soll Lehrpersonen nach Abschluss des Kurses die Möglichkeit bieten sich in der Schule weiterhin mit «Digital Divides» auseinanderzusetzten.
Didaktisches Set «Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit? Soziale Ungleichheiten im digitalen Bereich»
Das didaktische Set «Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit? Soziale Ungleichheiten im digitalen Bereich» hat die Sensibilisierung für Ungleichheiten im Zusammenhang mit der Digitalisierung zum Ziel. Durch das Set können verschiedene Formen von Exklusion veranschaulicht werden, vom Ausschluss aus Chatgruppen bis zu Bildungsungleichheiten. Es basiert auf dem Forschungsstand zur Thematik.
Das didaktische Set eignet sich für Lehrpersonen aller Stufen und Fachpersonen, welche mit Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen arbeiten.
Das Kartenset besteht aus Personas, in die sich die Teilnehmenden in einer ersten Phase hineinversetzen. Anschliessend werden von der Moderation Aussagen vorgelesen. Die Teilnehmenden überlegen jeweils, ob diese Aussagen auf sie zutreffen oder nicht. Zum Abschluss findet ein moderierter Austausch statt, damit am Ende möglichst viele Personen für die Thematik sensibilisiert sind.
Material
Im Zusammenhang mit dem didaktischen Set ist ein Beitrag im Buch «Digitale Lehre nachhaltig gestalten» erschienen. Der Beitrag stellt das didaktische Set «Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit?» vor. Das Buch und der Beitrag stehen zum kostenlosen Download zur Verfügung.
In der Zwischenzeit hat sich die Arbeitsgruppe «Digital Equality» der PHBern weiter mit den Ungleichheiten im Kontext der Digitalisierung auseinandergesetzt und nach Wegen gesucht, um weiter zu sensibilisieren und Ideen für eine gerechtere digitale Bildung zu entwickeln. Das Team hat ein Brettspiel entwickelt, das voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht und erhältlich sein wird. Während der Fokus des didaktischen Sets auf der Sensibilisierung und Visualisierung von Ungleichheiten liegt, ergänzt das entwickelte Brettspiel die Auseinandersetzung um den Aspekt der Diskussion über mögliche Massnahmen zum Umgang mit Ungleichheiten.
Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit?
Bollag, J., Fischer, E., Heierle, D., & Zaugg, P. (2022). Schritte Richtung Digitalisierung: Wer kommt mit? Soziale Ungleichheiten im digitalen Bereich. In B. Standl (Hrsg.), Digitale Lehre nachhaltig gestalten (S. 149–155). Waxmann Verlag.
Ethische Leitlinien «Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke»
Grundlage für den oben beschriebenen Fortbildungskurs bildet das nachfolgende Dokument «Ethische Leitlinien für Lehrkräfte über die Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke», das von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde. Es soll Lehrpersonen dabei unterstützen, das Potenzial und die Herausforderungen von KI und Datennutzung in schulischen Kontexten besser zu verstehen. Das Dokument sensibilisiert Lehrpersonen für mögliche Risiken und bietet Orientierung, um mit KI-Systemen positiv, kritisch und ethisch reflektiert umzugehen und ihre Möglichkeiten im Bildungsbereich vollständig auszuschöpfen.
Entscheidend ist, die digitale Transformation nicht nur technologisch zu betrachten, sondern zugleich soziale und ethische Aspekte aktiv einzubeziehen. Das Kartenset der PHBern bietet eine Möglichkeit, praxisnah für bestehende digitale Ungleichheiten zu sensibilisieren. Es ist besonders erfreulich, dass weitere Bildungsakteure – wie aktuell das Bildungsministerium Nordrhein-Westfalen mit seinem Fortbildungskurs – das Kartenset der PHBern einsetzen und dadurch Ressourcen genutzt sowie Impulse für eine gerechtere digitale Bildung verstärkt werden können.