China macht KI obligatorisch für die Schule
In Peking wird ab dem kommenden Herbstsemester Künstliche Intelligenz (KI) als fester Bestandteil des Lehrplans eingeführt. Schulen sind verpflichtet, mindestens acht Unterrichtsstunden pro Schuljahr dem Thema KI zu widmen. Diese Kurse können entweder eigenständig oder integriert in andere Fächer wie Informationstechnologie angeboten werden. Ziel dieser Initiative ist es, innovative Talente frühzeitig zu fördern und Schülerinnen und Schüler auf eine Zukunft in einer technologiegetriebenen Welt vorzubereiten.
Die Lehrmethoden variieren je nach Bildungsstufe (vgl. Xinhuanet):
Grundschulen: Fokus auf erfahrungsbasierte Kurse, um grundlegende KI-Konzepte vorzustellen.
Unterstufe der Mittelschulen: Kognitive Kurse, die den Schülerinnen und Schülern helfen, KI im Lernen und Alltag anzuwenden.
Oberstufe der Mittelschulen: Praktische Kurse zur Förderung der Anwendung und Innovation von KI.
Diese Massnahme ist Teil von Chinas Bestreben, eine führende Rolle im Bereich der Künstlichen Intelligenz einzunehmen und die nächste Generation entsprechend auszubilden.
Wo steht die Schweiz?
Die Schweiz geht beim Thema künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung eher zurückhaltend vor. Im Lehrplan 21 für die Primar- und Sekundarstufe I wird KI nicht explizit erwähnt. Sie kann jedoch im Fachbereich «Medien und Informatik» behandelt werden – in Eigeninitiative der Lehrperson oder Schulen. Es liegt also in ihrer Verantwortung, sich mit KI vertraut zu machen und ihre Schülerinnen und Schüler entsprechend vorzubereiten.
Anders sieht es auf der Sekundarstufe II aus: Im Rahmenlehrplan vom 20. Juni 2024 ist der KI-Einsatz als Lernhilfe integriert. Das zeigt, dass auf dieser Stufe KI als Teil der schulischen Realität gesehen wird:
- 2.1 Überfachlich-methodische Kompetenzen (EDK, 2024, S. 27 f.)
Die Maturandinnen und Maturanden können Künstliche Intelligenz für eigene Vorhaben produktiv nutzen (Planungsstrategien); - 3 Lerngebiete und fachliche Kompetenzen (EDK, 2024, S. 29)
3 Schreiben
3.2. Schreiben als Prozess
Die Maturandinnen und Maturanden können Nachschlagewerke und andere Hilfsmittel, auch künstliche Intelligenz, für den Schreibprozess kompetent nutzen (BfKA, DIG); - 4 Lerngebiete und fachliche Kompetenzen (EDK, 2024, S. 42)
4. Kulturen und Gesellschaften
4.2 Räume der Medien und Digitalität
Die Maturandinnen und Maturanden können digitale Produktions- und Revisionstools und künstliche Intelligenz kritisch reflektiert einsetzen.
PHBern schreitet voran
Die Pädagogische Hochschule Bern (PHBern) ist daran einen sogenannten KI-Tutors zu entwickeln und zu testen – eine digitale Lernassistenz, die nicht nur Aufgaben löst, sondern in einen interaktiven Dialog mit den Schülerinnen und Schülern tritt.
Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie KI den Lernprozess tatsächlich fördern kann. Der KI-Tutor simuliert konkrete Unterrichtssituationen, passt seine Rückmeldungen dynamisch an und bietet sowohl den Lernenden als auch den Lehrpersonen eine Standortbestimmung. Dabei geht es um mehr als technische Machbarkeit: Es soll herausgefunden werden, ob und unter welchen Bedingungen KI Lernprozesse unterstützen kann. Schliesslich ist der Einsatz von KI ohne Lerneffekt nicht zielführend und droht zu Beschäftigung ohne Mehrwert zu verkommen.
Projektleiter Wolfgang Spahn betont, dass das Ziel der Forschung nicht in der Vermarktung eines Produkts liegt. Der KI-Tutor dient vielmehr als Instrument, um künftige Formen digitalen Lernens besser zu analysieren. Zentrale Fragestellung ist dabei, unter welchen Bedingungen KI im Unterricht wirksam zum Lernerfolg beitragen kann. In einem nächsten Schritt soll darauf aufbauend ein Forschungsprojekt zur KI-sensitiven Pädagogik initiiert werden. Eine kommerzielle Nutzung des KI-Tutors an Schulen ist nicht vorgesehen – und wäre der Pädagogischen Hochschule zudem gar nicht erlaubt. Im Mittelpunkt steht klar die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Technologien, die im Bildungsbereich künftig eine wichtige Rolle spielen werden.
Marc Eyer, Institutsleiter an der PHBern, betont das Potenzial solcher Systeme insbesondere in grossen Klassen, wo Lehrpersonen oft an ihre Grenzen stossen. KI könne helfen, individueller auf die Bedürfnisse der Lernenden einzugehen – allerdings nur in Bereichen des kognitiven Lernens. Für soziale oder haptische Bildungsprozesse bleibe der Mensch unersetzlich.
Eyer warnt davor, Künstliche Intelligenz unreflektiert im Bildungsbereich einzusetzen. Die grösste Sorge sei, dass dadurch problematische Entwicklungen im Bildungssystem weiter verstärkt würden – der Einsatz von KI müsse gezielt darauf ausgerichtet sein, eigenständiges Denken zu fördern.
Mit ihrer Forschung schafft die PHBern damit die Grundlage für eine differenzierte, evidenzbasierte Integration von KI in den Bildungsalltag – bewusst, kritisch und mit dem Fokus auf tatsächlichen Lernerfolg. Gerne verfolgen wir, wie es weiter geht.
Was ist deine Meinungen zu den Entwicklungen rund um KI in der Bildung?
Quellen:
EDK (2024). Rahmenlehrplan. Gymnasiale Maturitätsschulen. [10.4.2025]
PHBern (2025). SRF berichtet: Wie Künstliche Intelligenz Bildung fördern kann. [10.4.2025]
SRF (2025). Schweiz aktuell vom 07.04.2025. [10.4.2025]
SRF (2025). KI in der Schule: Bildung oder Beschäftigung? [10.4.2025]
Tepecik, S. (2025). China macht es vor: KI als Pflichtfach in der Grundschule – Und Deutschland? [10.4.2025]
Xinhuanet (2025). Beijing wird KI-Kurse an Grund- und Sekundarschulen einführen. [10.4.2025]
20min (2025). China führt KI-Unterricht an Grundschulen ein – und die Schweiz? [10.4.2025]