Die Bloom’sche Taxonomie wurde zwischen 1948 und 1953 von Benjamin S. Bloom und einer Gruppe von Expertinnen und Experten verschiedener Universitäten entwickelt. Ziel dieser Arbeit war es, ein allgemeingültiges Klassifikationssystem für Lernziele zu schaffen, das den interdisziplinären Austausch und die Diskussion über Lernziele und Prüfungsformen erleichtern sollte. Zuvor hatte jeder Lehrende individuelle Systematiken verwendet, die oft nur implizit vorhanden und anderen nicht zugänglich waren.
Das erste Ergebnis dieser Arbeit, das 1956 veröffentlicht wurde, war eine sechsstufige Taxonomie kognitiver Lernziele, die folgende Ebenen umfasste: Wissen, Verstehen, Anwendung, Analyse, Synthese und Bewertung. Diese Lernziele sind hierarchisch geordnet, wobei jede höhere Stufe auf den Fähigkeiten der darunter liegenden Stufen aufbaut.
Nach der Veröffentlichung der ursprünglichen Bloom’schen Taxonomie wurde in den folgenden Jahren, durch die wachsende Forschung zu mentalen Prozessen, die Frage aufgeworfen, ob die ursprüngliche Taxonomie noch gültig sei. Blooms ehemaliger Student Lorin Anderson und sein Kollege David Krathwohl kamen zu dem Schluss, dass eine Überarbeitung notwendig sei. Im Jahr 2001 veröffentlichten sie die überarbeitete Bloom’sche Taxonomie.
Anderson änderte teilweise die Terminologie und Struktur der ursprünglichen Taxonomie. Die Kategorien wurden von Substantiven in Verben umgewandelt, um zu betonen, dass es sich um kognitive Prozesse und nicht um Verhaltensprozesse handelt. Eine wichtige strukturelle Änderung war die Umkehrung der letzten beiden Stufen: Die Stufe «Evaluation» (Beurteilung) wurde hinter die Stufe «Synthese» verschoben, die nun «Create» (Erstellen) heisst. Diese Änderung unterstreicht, dass kreatives Denken in der modernen Lernlandschaft als komplexer und anspruchsvoller gilt als die beurteilende Analyse.
Einbezug von Generativer KI
Die Bloom’sche Taxonomie dient seit Jahrzehnten als hilfreicher Leitfaden für Lehrende, um Lernziele zu planen und entsprechende Lehr- und Prüfungsstrategien zu entwickeln. Doch in einer zunehmend digitalisierten Welt stellt sich die Frage: Wie können Technologien wie Generative Künstliche Intelligenz in diesen Ansatz integriert werden?
Generative KI bietet neue Möglichkeiten, Denkprozesse wie Analysieren, Bewerten und Erstellen zu unterstützen. Lehrende können Generative KI nutzen, um Schüler*innen dabei zu helfen, kreative Lösungen zu finden, komplexe Sachverhalte zu analysieren oder reflektierte Bewertungen vorzunehmen. Diese Technologie bietet auch neue Ansätze zur Differenzierung von Lerninhalten und fördert individuellere Lernwege. Der Oregon State University Ecampus hat einen Versuch unternommen, Generative KI in die Bloom’sche Taxonomie zu integrieren. Wir haben die Präsentation ins Deutsche übersetzt, um den Inhalt verständlicher zu machen.
Der Einbezug von Generativer KI in die Bloom’sche Taxonomie eröffnet Lehrkräften die Chance, ihre Lehrpläne so zu gestalten, dass sie nicht nur digitale Kompetenzen fördern, sondern auch den kritischen und kreativen Umgang mit KI-technologien einbeziehen. Indem Lehrende die Perspektiven ihrer Schüler*innen in diesen Prozess integrieren, können sie eine Lernumgebung schaffen, die sowohl die Potenziale der KI als auch die individuelle Entwicklung der Lernenden unterstützt.
Die Darstellung wurde von der Oregon State University unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht und vom Trendscouting-Team der PHBern (siehe unten) ins Deutsche übersetzt.
Unsere deutsche Übersetzung
Quellen:
Oregon State University (2024). Artificial Intelligence Tools. [10.10.24]
Volk, B. (2020). Ordnung von Lernzielen – Ordnung des Wissens. Die Bedeutung der Taxonomie von Bloom für die Wissenschaftlichkeit und Praxis der Hochschuldidaktik. [10.10.24]