Avatare sind die neue digitale Identität im Web 3.0. Wo sind bereits Avatare im Einsatz? Welche Möglichkeiten bringen sie mit sich und wo müssen wir vorsichtig sein im Umgang mit den virtuellen Persönlichkeiten?

Das Web verändert sich fortlaufend und unaufhörlich. Während das Web 2.0 es uns ermöglichte, im Internet aktiv zu werden und miteinander zu interagieren, war das Web 1.0 statisch organisiert: Eine Ansammlung von Websiten, verbunden durch „Hyperlinks“. Im Gegensatz dazu, können sich Menschen im Web 2.0 mithilfe von Profilen aktiv im Web einbringen, sei es auf sozialen Netzwerken oder anderen Plattformen. Anstatt das Internet passiv zu nutzen, ermuntert das Web 2.0 zur Aktion. Damit eine Person im Internet aber erst aktiv werden kann, fordern die Netwerke und Plattformen die Erstellung eines Profils. Ob Instagram, Youtube, Twitter, TikTok, Bankaccount – sobald man selbst im Internet handeln möchte, ist die Forderung nach einem eigenen Profil nicht weit. Jede Person besitzt in der Zwischenzeit eine Vielzahl an digitalen Identitäten. Mit der Transformation des Web 2.0 ins Web 3.0 wird sich auch die digitale Identität in seinen Formen verändern. Instagram – Chef Adam Mosseri gab erst kürzlich in einem Video Einblicke in mögliche Entwicklungen rund um die digitale Identität.

In einem kurzen Video auf seinem persönlichen Kanal auf Instagram, kündigt Mosseri die Einführung von Avatars an. Die Avatare sind dreidimensional und können gleichzeitig auf Instagram, Facebook und Messenger synchronisiert werden. Nach Mosseri sind Avatare ein wichtiger Baustein für die zukünftige persönliche Identität im Metaversum. Bis anhin, waren es die Profile auf Instagram, Twitter, Facebook usw. welche die eigene digitale Identiät im Web ausmachte. Mosseri und das Unternehmen Meta glauben, dass in Zukunft das Internet sich immer mehr zu einem immersiven Erlebnis entwickeln wird – dem Metaverse. Sobald Personen sich in diesen virtuellen Welten bewegen möchten, müsse sich die digitale Identität der Personen zeigen und dies in Form von persönlichen Avatars. Avatare dienen als visuelle Repräsentation dessen, was die Person dahinter ist. Im Gegensatz zum starren Profil, sind Avatare dynamischer und lassen mehr Bewegung im Web zu.

Neben Avatars auf Instagram, gibt es auch auf Microsoft Teams eine Avatar-Funktion für alle virtuellen Meetings, bei denen die 3D-Figuren die Teilnehmer:innen verkörpern. So entstehen Avatare als digitale Identität, als eine Erweiterung unserer selbst im virtuellen Raum.

Bist du es wirklich? Oder: Wer steckt hinter dem Avatar​

Avatare erlauben es uns also, eine digitale Identität im Web aufzubauen, welche uns repräsentiert und dynamischer ist als die Profile davor. Nicht immer bilden die Avatare im Internet jedoch die Person ab, welche dahinter steckt.

Auf Instagram gibt es bereits mehrere Profile von Avataren, welche nichts mit der Identität der Person dahinter zu tun haben. Miquela (@lilmiquela), Bermuda (@bermudaisbae) und Blawko (@blawko22) beispielsweise sind Avatare mit einem eigenen Instagram-Profil und mehreren 100 Tausend Followern. Alle drei digital erzeugten Persönlichkeiten wurden vom Technologie-Startup Brud aus Los-Angeles geschaffen. Diese Diskrepanz zwischen digitaler Persönlichkeit und Erschaffer:innen birgt Diskussionspotenzial.

In einem kürzlich erschienen TEDx-Talk fordert Sinead Bovell auf, unser Augenmerk auf Avatare zu richten. Bovell ist Futuristin und Gründerin von WAYE, einem Unternehmen für technische Bildung, das Jugendliche auf eine Zukunft mit fortschrittlichen Technologien vorbereitet. In der TEDx-Veranstaltung nimmt Bovell das digitale Supermodel Shudu (@shudu.gram) als Beispiel. Shudu ist schwarz und identifiziert sich als weiblich. Die Person welche Shudu geschaffen hat und sie kontrolliert, ist weiss und männlich. Die Zukunft entwickle sich in eine Richtung, in welche Menschen Identitäten ausserhalb ihrer eigenen ethnischen Gruppen erschaffen und kontrollieren können.

Wichtig ist es zu verstehen, dass sich hinter jedem Avatar eine oder mehrere Personen verbergen.

Wer steckt hinter dem Avatar und hat die Fäden in der Hand?

Quellen:

Brud, Inc. (2021). Create Worlds. Design Narratives. Make Brud. URL: https://www.brud.fyi [13.5.22]

Fell, F. (2022). Web 3.0: Definition und Unterschied zum Web 2.0. URL: https://bit.ly/3lqUabj

LaterBlog (2022). Instagram Avatars Have Arrived. Here’s What It Means. URL: https://later.com/blog/instagram-avatars/ [13.5.22]

PWC (o.J.). Digital identity – Your key to unlock the digital transformation. URL: https://www.pwc.ch/en/insights/fs/digital-identity.html [13.5.22]

TEDx Talks (2022). I study the future. We should pay attention to avatars | Sinead Bovell | TEDxRutgersCamden. URL: https://www.youtube.com/watch?v=RtId9uJzHfg [13.5.22]

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