Die Vodafone Stiftung hat eine Studie beim Meinungsforschungsinstitut Ipsos in Auftrag gegeben, die den Zugang, die Nutzung und die Einstellung von Jugendlichen gegenüber Künstlicher Intelligenz (KI) untersucht. Ziel dieser Untersuchung war es, zu verstehen, wie Jugendliche in sieben europäischen Ländern – Deutschland, Vereinigtes Königreich, Griechenland, Portugal, Rumänien, Spanien und der Türkei – mit KI vertraut sind, welche Erfahrungen sie bereits gesammelt haben und welche Sorgen und Erwartungen sie mit der Technologie verbinden.

Insgesamt nahmen 7.000 Schüler:innen zwischen 12 und 17 Jahren an der Online-Befragung teil, die zwischen dem 26. September und dem 4. November 2024 durchgeführt wurde. Die Befragung fokussierte darauf, wie KI-Technologien in den schulischen Lernprozess integriert werden, welche Unterstützung die Schüler:innen dabei erhalten und wie sie die Rolle von KI für ihre zukünftige berufliche Entwicklung einschätzen.

Die Ergebnisse der Studie spiegeln die subjektiven Einschätzungen der Jugendlichen wider und geben somit wertvolle Einblicke in die Wahrnehmung und Realität der KI-Nutzung in Bildungskontexten. Ziel ist es, aufzuzeigen, wo Ressourcen und Kompetenzen fehlen, um letztlich Bildungsangebote gezielt zu verbessern und soziale Integration durch digitale Technologien zu fördern.

1. Zugang zu KI-fähigen Geräten: Digital Divide ist eine Tatsache

68 Prozent der Jugendlichen in Europa zwischen 12 und 17 Jahren geben laut der Studie an, «immer» (36 %) oder «meistens» (32 %) Zugriff auf KI-fähige Geräte zu haben. Weitere 22 % verfügen zumindest «manchmal» über einen solchen Zugang, während lediglich 3 % nie Zugang dazu haben. Besonders hervorzuheben ist, dass Jugendliche aus einkommensstärkeren Familien häufiger über KI-fähige Geräte verfügen.

In den Schulen geben insgesamt 46 % der Schüler:innen an, KI problemlos einsetzen zu können, wobei Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien seltener Zugang zu KI-basierten Tools haben. Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Qualität der Internetverbindung: 51 % der Befragten bemängeln eine unzureichende Anbindung.

2. Vertrautheit von KI: Wenige haben noch nie von KI gehört

Die Mehrheit der europäischen Schüler:innen gibt an, zumindest einigermassen mit künstlicher Intelligenz vertraut zu sein. So beschreiben sich 38 % der Befragten als «einigermassen vertraut» und weitere 30 % als «ziemlich vertraut». Nur ein kleiner Anteil von 11 % verfügt über ein tiefgehendes Verständnis und bezeichnet sich als «sehr vertraut». Demgegenüber stehen 19 %, die lediglich ein geringes Wissen besitzen, und lediglich 2 % der Befragten haben überhaupt noch nie von KI gehört. Auffällig sind Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Ländern: Während Schüler:innen aus Großbritannien (mit insgesamt 53 % in den Kategorien «sehr vertraut» oder «ziemlich vertraut») und Spanien (55 %) sich überdurchschnittlich sicher fühlen, ordnen portugiesische Schüler:innen ihre Kenntnisse deutlich geringer ein als der europäische Durchschnitt. Schüler:innen aus Deutschland positionieren sich in der Mitte und geben überwiegend an, «einigermassen vertraut» zu sein. Ein weiterer Faktor ist der sozioökonomische Hintergrund: Schüler:innen aus einkommensstärkeren Haushalten weisen häufig eine höhere KI-Kompetenz auf. Bei der Nutzung von KI-Anwendungen für schulische Zwecke verlassen sich Schüler:innen europaweit vor allem auf ihren Freundeskreis (65 %) und ihre Eltern (60 %), während Lehrkräfte weniger häufig (50 %) als Unterstützungsquelle dienen.

3. Nutzung von KI in Unterricht und Freizeit

Künstliche Intelligenz wird von Schülerinnen und Schülern sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Schule vielfältig genutzt. Im schulischen Kontext ist ChatGPT europaweit mit 47 % das häufigste KI-Tool, das unter Anleitung von Lehrpersonen eingesetzt wird, gefolgt von Google Lens, Duolingo, Google Gemini und Apple Siri. Dabei zeigen sich auch regionale Unterschiede: Während spanische Schülerinnen und Schüler besonders häufig ChatGPT nutzen (54 %), benutzen türkische Schüler*innen neben ChatGPT auch relativ oft Google Lens (37 %). In Deutschland steht ebenfalls ChatGPT (42 %) an erster Stelle, allerdings etwas unter dem europäischen Durchschnitt. Dafür findet die ANTON-App in Deutschland vergleichsweise hohe Nutzung. 

Ausserhalb der Schule wird KI primär zur Informationsbeschaffung (56 %) und Erklärung von Konzepten (45 %) verwendet. Weniger häufig werden KI-Tools für personalisierte Lernwege oder adaptive Inhalte eingesetzt, wobei die Türkei hier deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt. Das am häufigsten ohne schulische Anleitung genutzte KI-Tool ist ebenfalls ChatGPT (48 %). Apple Siri, Duolingo und Google Lens folgen mit grossem Abstand. Auch hier gibt es regionale Unterschiede: Apple Siri und Google Gemini sind vor allem in Grossbritannien und der Türkei beliebt, Duolingo besonders in Rumänien, während es in Deutschland eine geringe Nutzung erfährt. In Deutschland zeigt sich insgesamt eine ähnliche Nutzung innerhalb und ausserhalb der Schule, wobei ausserhalb insbesondere Apple Siri etwas häufiger verwendet wird als Google Gemini.

Die drei Sprechblasen verdeutlichen, dass ein Grossteil der Jugendlichen Zugang zu KI-fähigen Geräten hat, dass aber Jugendliche aus einkommensschwachen Familien seltener über die notwendigen Geräte verfügen. Darüber hinaus erhalten die meisten Jugendlichen Unterstützung bei der Nutzung von KI-Anwendungen für schulische Zwecke von Freunden und Eltern und am wenigsten von Lehrpersonen. Und ChatGPT ist das KI-Tool, das in ganz Europa am meisten genutzt wird.

Diese drei Punkte zeigen, dass viele Jugendliche Zugang zu KI-Anwendungen haben und ChatGPT häufig für schulische Zwecke innerhalb und ausserhalb der Schule nutzen, aber dass Lehrpersonen nicht die primären Unterstützungspersonen sind. Hier stellt sich die Frage, ob es nicht auch in der Verantwortung der Schule und der entsprechenden Lehrpersonen liegt, anzuerkennen, dass die Schülerinnen Zugang haben und diesen auch nutzen, und die Verantwortung übernommen wird, die Schülerinnen im Umgang damit zu begleiten und auch den Unterricht entsprechend anzupassen.

Damit Schule ihrem Bildungsauftrag gerecht werden kann, muss sie junge Menschen dazu befähigen, KI nicht nur zu nutzen, sondern auch kritisch zu hinterfragen, verantwortungsvoll damit umzugehen und ihre Mechanismen zu verstehen. Voraussetzung dafür ist, dass Schulen und Bildungseinrichtungen selbst aktiv hinschauen, sich mit KI auseinandersetzen – und dabei auch die Perspektiven und Erfahrungen der Schüler*innen ernst nehmen.

Quellen:

Vodafone Stiftung (2025). KI an europäischen Schulen. [27.3.25]

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