Mark Zuckerberg, CEO von Meta – dem Unternehmen hinter Facebook, Instagram und Threads –, hat beschlossen, professionelle Faktenchecks auf seinen Plattformen abzuschaffen. Als Begründung führte er an, diese seien zu politisch. Kritiker befürchten, dass sich die Plattformen dadurch ähnlich wie Elon Musks X entwickeln könnten, wo unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit auch Desinformation und Hassrede verbreitet werden.
Die EU-Kommission hat Meta davor gewarnt, das Faktencheck-Programm auch in der EU einzustellen. Kommissionssprecher Thomas Regnier verwies im MDR auf das EU-Recht, das Plattformen verpflichtet, systemische Risiken wie Desinformation oder negative Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Diskurs zu minimieren. Sollte Meta gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verstossen, droht eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes.
Hier die offizielle Meldung von Meta (Stand: 7.1.2025): So funktioniert die Faktenprüfung.
Die Ankündigung von Zuckerberg kommt kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar. Er reiht sich damit in die Riege der US-Tech-Unternehmer ein, die sich zunehmend dem politischen Kurs des neuen Präsidenten anpassen. Während Elon Musk Trump bereits seit Längerem unterstützt, äusserten sich Jeff Bezos (Amazon), Sundar Pichai (Google), Tim Cook (Apple) und Sam Altman (OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT) in der Vergangenheit deutlich kritischer. Mittlerweile haben jedoch alle für die Inauguration gespendet, Trump teilweise Unterstützung zugesichert oder ihn sogar in Mar-a-Lago besucht.
Die Podcastsendung von Apropos dazu:
Warum sind diese Entwicklungen für die Bildungslandschaft relevant?
Wir müssen uns also darauf einstellen, dass wir in Zukunft mit noch mehr Informationen ohne professionelle Überprüfungsinstanzen konfrontiert werden. Die Verantwortung für die Einordnung und Überprüfung von Informationen wird auf das Individuum verlagert, was eine Herausforderung, aber auch eine Chance sein kann.
Akteure im Bildungsbereich, Lehrpersonen, Eltern oder Erziehungsberechtigte sind nun noch mehr gefordert und müssen die Verantwortung dafür wahrnehmen, die Schüler*innen im Umgang damit zu begleiten. Das Lehren und Lernen im Medienbereich wird noch wichtiger und insbesondere die Kompetenz des kritischen Denkens – eine der vier Zukunftskompetenzen des 4K’s Modells – ist unabdingbar. Lernende müssen lernen, den Umgang mit Nachrichten und Informationen, die sie online und offline erhalten, einzuordnen und zu reflektieren. Kann ich den Informationen Glauben schenken? Welchen Quellen kann ich trauen? Ist das realistisch? Welche Einstellung habe ich dazu?
Lanius (2021, S. 9) betont, dass insbesondere Prävention das A und O im Umgang mit Fake News und Verschwörungstheorien sei. Insbesondere die Vermittlung von Medienkompetenz ist essentiell, wobei die ausschliessliche Vermittlung von Nutzungskompetenz zu kurz greift. Medienkompetenz ist umfassender angelegt und setzt insbesondere die Fähigkeit zum kritischen Denken voraus. Kritisches Denken baut auf verschiedenen Fähigkeiten auf (Lanius, 2021, S.9):
- Die Fähigkeit zu einem präzisen Umgang mit Sprache
- Allgemeine epistemische Kompetenzen
- Argumentationskompetenzen
- Metakognitive Kompetenzen
Diese Kompetenzen müssen in den Fächern vermittelt und in den Lehrplänen verankert werden und insbesondere bereits in der Lehrpersonenbildung erworben werden können (vgl. Lanius, 2021, S. 9 f.). Als erstes müssen Lehrpersonen sowie Schüler*innen die Begrifflichkeiten verstehen und unterscheiden können. Fake News, Verschwörungstheorien, Propaganda, Desinformation und Hassrede bedeuten unterschiedliche Dinge. Aus diesem Grund werden wir im Blogpost zuerst genauer klären, was unter dem Begriff Fake News verstanden wird. Wir beschränken uns hierbei auf die Definition von Fake News, da dieses Wort oft Verwendung findet.
Was sind Fake News?
Gemäss Lanius (vgl. 2021, S. 2) würden die meisten Definitionen von Fake News in zwei Hinsichten übereinstimmen. Fake News sind falsche oder irreführende Nachrichten, die absichtlich oder aus Nachlässigkeit verbreitet werden. Die zwei Hauptprobleme sind: Erstens stellen sie die Wirklichkeit verzerrt dar – entweder sind sie komplett falsch oder sie verdrehen die Wahrheit. Zweitens sind ihre Verfasser*innen nicht an der Wahrheit interessiert – sie wollen bewusst täuschen oder es ist ihnen egal, ob ihre Informationen richtig sind (vgl. Jaster & Lanius, 2018, 2019 zitiert nach Lanius, 2021, S.2).
Besonders in sozialen Medien verbreiten sich Fake News sehr schnell. Eine Studie zeigt, dass sie sich auf Twitter sechsmal schneller verbreiten als wahre Nachrichten (vgl. Vosoughi et al., 2018 zitiert nach Lanius, 2021, S.6). Ein Grund dafür ist, dass Menschen beim Umgang mit sozialen Medien meist nur einen geringen Teil ihrer kognitiven Ressourcen nutzen, was sie anfälliger für Verzerrungen (engl. Bias) macht (vgl. Bronstein et al., 2019; Lazer et al., 2018; Pennycook & Rand, 2018, 2020 zitiert nach Lanius, 2021, S.6). Ausserdem verstärken die Algorithmen von sozialen Medien diese Verzerrungen, weil sie vor allem Inhalte anzeigen, die Aufmerksamkeit und Bestätigung erregen.
Es gibt eine Vielzahl an Verzerrungen, welche im Umgang mit Informationen greifen. Ein Bewusstsein darüber, kann womöglich helfen diese Verzerrungen zu erkennen und Informationen einzuordnen.
Welche Biases greifen?
- Bestätigungsfehler:
Der Bestätigungsfehler (vgl. Nickerson 1998; Wason 1968 zitiert nach Lanius, 2021, S.5) beschreibt die Tendenz von Menschen, vor allem Informationen zu beachten, die ihre bestehenden Überzeugungen, Erwartungen oder Wünsche bestätigen. Anstatt neutral und umfassend zu prüfen, suchen wir auch nachträglich nach Argumenten, die unsere Meinung stützen (vgl. Mercier und Sperber 2017 zitiert nach ebd.). Dieser kognitive Verzerrungseffekt wird besonders stark, wenn wenig Aufmerksamkeit auf die Informationsverarbeitung verwendet wird – etwa in sozialen Medien, wo Unterhaltung, Beziehungen und Selbstdarstellung oft im Vordergrund stehen.
- Negativitätsbias:
Der Negativitätsbias beschreibt die allgemeine Tendenz von Menschen, auf negative Informationen verbunden mit Emotionen wie Angst, Wut oder Empörung stärker zu reagieren. Negativberichte erregen unsere Aufmerksamkeit sehr effektiv, da diese Emotionen evolutionär unsere Überlebenschancen erhöhten (vgl. Lanius, 2021, S. 5 f.).
- Vertrautheitsbias:
Wenn negative Informationen zusätzlich vertraute Stereotype aufgreifen, sind diese noch eingängiger (vgl. Lanius, 2021, S. 6). - Informationskaskade:
Eine Informationskaskade entsteht, wenn Menschen eine Nachricht oder eine Meinung übernehmen, nicht aufgrund eigener Überprüfung, sondern weil viele andere sie bereits teilen. Dadurch gewinnt die Information scheinbar an Glaubwürdigkeit, selbst wenn es keine unabhängige Begründung für ihre Richtigkeit gibt (vgl. Sunstein 2014 zitiert nach Lanius, 2021, S. 6).
Lichtblick:
Die guten Nachrichten bei all diesen Erkenntnissen und Entwicklungen sind, dass…
…wir den Umgang und das Verständnis von Fake News, Verschwörungstheorien etc. lernen und lehren können. Insbesondere die Prävention hat hier einen grosses Einfluss. Indem Akteure aus dem Bildungsbereich, Lehrpersonen, Eltern oder Erziehungsberechtigte die Lernenden im Aufbau der entsprechenden Kompetenzen unterstützen und begleiten, kann vorbeugend gehandelt werden, um kritisches Denken und Medienkompetenz gezielt zu stärken.
…wohl viel weniger oft Fake News, Verschwörungstheorien usw. tatsächlich von den Lesenden geglaubt werden, als die Vielzahl deren Verbreitung online suggeriert. Menschen teilen diese Informationen nicht zwangsläufig weil sie diese glauben, sondern zum Beispiel auch, weil sie diese unterhaltsam finden (Lanius, 2021, S.7).
Was können wir also tun? Einerseits können wir präventiv handeln und die Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien vorbeugen, indem wir den Lernenden entsprechende Kompetenzen vermitteln. Andererseits müssen Lehrpersonen darauf vorbereitet sein, auf Fake News und Verschwörungstheorien im Unterricht zu reagieren und gegebenenfalls zu intervenieren.
Grosse Leseempfehlung!
Quellen:
Fellmann, F. Gabathuler, M. & Bachmann, L. (2025). Zuckerberg, Bezos, Cook: Wie Big Tech sich hinter Trump stellt. [14.1.25]
Lanius, D. (2021). Wie sollten Lehrende mit Fake News und Verschwörungstheorien im Unterricht umgehen? In J. Drerup, M. Zulaica y Mugica, & D. Yacek (Eds.), Dürfen Lehrer ihre Meinung sagen?: Demokratische Bildung und die Kontroverse über Kontroversitätsgebote (pp. 188-208). Kohlhammer Verlag.
PlanetSchule (o.J.). Fakefinder for school | Lernspiel. [14.1.25]
ProJuventute (o.J.). Fake News erkennen – so gelingt’s. [14.1.25]
zdfheute (2025). Faktencheck-Aus: EU warnt und droht mit Strafe. [16.1.25]