Ende 2023 wurde mit der «Swiss AI»-Initiative ein ambitioniertes Projekt gestartet, das nun erste greifbare Resultate hervorbringt: Die ETH Zürich, die EPFL Lausanne sowie das nationale Supercomputer-Zentrum CSCS in Lugano haben gemeinsam ein eigenes Sprachmodell entwickelt. Im Spätsommer 2025 soll dieser Schweizer Chatbot veröffentlicht werden und das ganz bewusst unter einer Open-Source-Lizenz.
Vertrauen durch Transparenz
Was diesen Chatbot von bekannten kommerziellen Modellen wie ChatGPT unterscheidet, ist seine Offenheit. Sämtliche Trainingsdaten, der verwendete Quellcode sowie alle Parameter des Modells werden offengelegt. Gerade für den Bildungsbereich eröffnet das wichtige Chancen, denn Nutzende erhalten Einblick in das System und können besser nachvollziehen, wie Antworten entstehen. Imanol Schlág (vgl. Jaun, 2025) vom ETH AI Center betont, dass vollständig offene Modelle Vertrauen schaffen, da sie nachvollziehbar sind und entscheidend dazu beitragen, sowohl die Risiken als auch die Chancen künstlicher Intelligenz fundiert zu erforschen. Zudem unterstützt die Offenheit die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen.
Mehrsprachigkeit als Grundprinzip
Ein wesentliches Merkmal dieses LLM ist seine umgesetzte Mehrsprachigkeit. Es versteht über 1000 Sprachen und wurde gezielt darauf ausgelegt, Inhalte aus unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Kontexten verarbeiten zu können.
Das Basismodell wurde mit Texten aus über 1500 Sprachen trainiert, wobei rund 60 % der Daten aus dem Englischen stammen. Die restlichen 40 % verteilen sich auf zahlreiche weitere Sprachen – darunter auch weniger verbreitete wie Schweizerdeutsch, Rätoromanisch oder verschiedene afrikanische Sprachen. Ergänzend kamen Code- und Mathematikdaten zum Einsatz.
Durch diese breite sprachliche Abstützung bietet das Modell eine hohe globale Anwendbarkeit. Es könnte etwa im Bildungsbereich dazu beitragen, sprachliche Vielfalt und interkulturelle Kompetenzen stärker in den Unterricht einzubinden und so der Realität einer mehrsprachigen Gesellschaft besser gerecht zu werden.
Mögliche Anwendbarkeit im Schulalltag
Der Chatbot erscheint in zwei unterschiedlichen Ausführungen: Einer kompakten Version mit 8 Milliarden Parametern, die sich optimal für den Einsatz auf gängigen Laptops eignet, und einer leistungsstärkeren Version mit 70 Milliarden Parametern, die komplexere Aufgaben bewältigen kann. Somit soll es wohl mit der kleineren Version auch möglich sein, die Anwendung im Schulalltag einzusetzen.
Datenschutz und Ausblick
Bei der Entwicklung des Modells wurden die schweizerischen Datenschutzgesetze, das schweizerische Urheberrecht und die Transparenzverpflichtungen der KI-Verordnung der EU (EU AI Act) berücksichtigt. Das Modell wird auf dem Supercomputer «Alps» des Swiss National Supercomputing Centre CSCS in Lugano trainiert, was ebenfalls Vertrauen schafft und Datenschutzbedenken gegenüber Konzernen im Ausland minimiert.
Der Schweizer Chatbot besticht durch Offenheit, Transparenz, Mehrsprachigkeit, Datenschutzaspekte und die Berücksichtigung der Bedürfnisse eines breiten Spektrums von Nutzenden. Er könnte auch in der Bildungslandschaft ein grosses Potenzial entfalten. Bisher sind noch keine genaueren Details zum exakten Veröffentlichungstermin bekannt. Wir bleiben dran und berichten zeitnah darüber, sobald neue Informationen vorliegen. Gleichzeitig werden wir uns intensiv damit beschäftigen, wie sich der Chatbot tatsächlich im Unterricht bewährt und welche konkreten Chancen er für Lehrpersonen und Lernende bietet.
Quellen:
Laukenmann, J. (2025). Was kann das Schweizer Chat-GPT, Herr Jaggi? «Mehr als 1000 Sprachen». [18.7.25]
Jaun, R. (2025). ETH und EPFL stellen eigenes KI-Modell vor. [18.7.25]
Jaun, R. (2023). ETH, EPFL und Co. wollen die Schweiz zum führenden KI-Standort machen. [18.7.25]
Meyer, F. & Anchisi, M. (2025). Ein Sprachmodell im Dienste der Gesellschaft. [18.7.25]
Swiss AI (o.J.). Swiss AI Initiative. [18.7.25]
swissinfo (2025). Artificial intelligence in Switzerland: what’s new for 2025. [18.7.25]