Die Deutsche Telekom Stiftung veröffentlichte den ersten «Trendmonitor KI in der Bildung», entwickelt in Zusammenarbeit mit dem mmb Institut und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die ab sofort jährlich erscheinende Studie bietet eine umfassende Markt- und Trendanalyse zu KI-gestützten Bildungstechnologien und richtet sich an alle, die schulische Bildung mitgestalten: Schüler*innen, Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulträger, Verwaltung und Politik. Sie zeigt, dass KI die schulische Bildung bereits verändert, eröffnet Chancen wie individuelle Förderung und Entlastung von Lehrkräften, wirft aber auch Fragen zur verantwortungsvollen Nutzung und zu den notwendigen Kompetenzen auf.
Der Trendmonitor formuliert Handlungsempfehlungen für zentrale Akteure und knüpft an bereits veröffentlichte Publikationen an:
- Künstliche Intelligenz in der Schule (2024)
- Schule und KI – Ein praxisorientierter Leitfaden (2023)
- KI@Bildung: Lehren und Lernen in der Schule mit Werkzeugen Künstlicher Intelligenz (2021)
Ab Herbst 2025 wird die Reihe durch den Trendmonitor Spezial ergänzt, der ausgewählte Aspekte vertieft behandelt.
Ausgangslage
Der Blick in die Analyse des aktuellen Trendmonitors zeigt ein zwiespältiges Bild: Zwar wächst das Angebot an KI-Anwendungen rasant, und viele Schüler*innen nutzen sie bereits selbstverständlich im Alltag, doch in Schulen selbst wird KI bislang nur zögerlich eingesetzt. Besonders Lehrpersonen und die Bildungsverwaltung halten sich noch zurück. Dabei hat sich der Markt seit 2021, angetrieben durch den Boom generativer KI wie ChatGPT, verdreifacht.
Vor allem intelligente Tutoringsysteme, text- und bildgenerierende Tools oder prüfungsunterstützende Anwendungen prägen das Angebot und finden zunehmend auch fächerübergreifend Einsatz.
Gleichzeitig bleibt ein grosses Potenzial ungenutzt: Gerade in der Schulorganisation und -verwaltung könnten KI-Lösungen Prozesse deutlich vereinfachen und beschleunigen. Stattdessen dominiert vielerorts noch das Experimentieren mit bekannten Tools wie ChatGPT. Gründe dafür sind fehlendes Wissen, mangelnde Erfahrung im Umgang mit KI sowie ein hohes Sicherheitsbedürfnis: Faktoren, die zu einem vorsichtigen Abwarten bei vielen Akteur*innen führen.
Die Analyse zeigt: KI ist längst im Alltag angekommen, in Schulen jedoch kaum. Dieses Ungleichgewicht macht deutlich – überfällige Reformen dürfen nicht länger hinausgezögert werden.
Dank KI sind längst überfällige Reformen nötig:
- Vom Wissensvermittler zum Lerncoach
KI entlastet Lehrpersonen von Routinetätigkeiten: von der Unterrichtsvorbereitung über adaptive Lernmaterialien bis hin zu automatisierten Korrekturvorschlägen bei standardisierten Tests. So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: Schülerinnen und Schüler zu motivieren, individuell zu begleiten und als Lerncoach zu wirken. Die zentrale Aufgabe besteht darin, KI sinnvoll in eine zeitgemässe Didaktik einzubetten. - Mehr Bildungsgerechtigkeit
KI-gestützte, personalisierte Lernpfade und adaptive Tutoringsysteme können individuelle Lernbedürfnisse berücksichtigen und den Zugang zu Unterrichtsfächern sowie interdisziplinärem Lernen erleichtern. Damit eröffnet sich eine wichtige Chance, Bildungsgerechtigkeit zu stärken, Benachteiligungen abzubauen und spezifische Defizite anzugehen. - Effizienzgewinne mit KI nutzen
KI kann bei vielen administrativen Aufgaben helfen, zum Beispiel bei der Planung, Organisation, Durchführung von Prüfungen und bei der Auswertung. Wenn diese Möglichkeiten stärker genutzt werden, werden Lehrpersonen und Schulleitungen spürbar entlastet. So bleibt mehr Zeit für die eigentliche pädagogische Arbeit.
Empfehlungen für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Schulen
Der Markt für KI in der Bildung entwickelt sich rasant und bleibt schwer vorhersehbar, selbst Fachleuten fällt es oft schwer, klare Trends zu erkennen. Auf Grundlage der Ergebnisse des ersten Trendmonitors hat die Deutsche Telekom Stiftung daher zentrale Eckpunkte und Empfehlungen formuliert, wie Schulen den Umgang mit Künstlicher Intelligenz gestalten können:
Technologie- und Marktüberblick
Für den aktuellen Trendmonitor wurden 207 KI-Anwendungen erfasst, die in Europa, den USA und Grossbritannien im Bildungsbereich relevant sind. Davon sind 111 speziell für Schulen entwickelt, weitere 96 stammen aus anderen Bereichen, können aber ebenfalls gut im Unterricht eingesetzt werden. Auffällig ist, dass Deutschland mittlerweile 44 Anwendungen stellt, also rund jede fünfte, während die meisten weiterhin aus den USA kommen. Zählt man Deutschland, Österreich, die Schweiz und weitere EU-Länder zusammen, entfallen 38 Prozent der Anwendungen auf die EU, die damit den Vorgaben der europäischen KI-Verordnung unterliegen.
Wichtig ist jedoch: Diese Zahlen bilden nur einen Teil des weltweiten Marktes ab. Vor allem Asien, ein sehr bedeutender Bereich, wurde bisher noch nicht berücksichtigt und soll erst ab 2026 einbezogen werden. Trotz dieser Einschränkung liefert die Analyse einen guten Überblick über die derzeit verfügbaren Angebote. Sie zeigt auch die Unterschiede zwischen den Märkten: In den USA und Grossbritannien stehen Investitionen, Innovation und flexible Marktregeln im Vordergrund, während in Europa stärker regulative Rahmenbedingungen prägend sind.
Im Trendmonitor werden die KI-Anwendung neu in neun Technologiegruppen aufgeführt. Besonders gross ist der Anteil von textgenerierenden Systemen und KI-Übersetzern: Mit 91 Anwendungen (44%, N=207) stellen sie fast die Hälfte aller Angebote. Interessant ist ausserdem, dass intelligente Tutoringsysteme (ITS) mit 74 Anwendungen rund 36 % ausmachen, also mehr als ein Drittel aller erfassten KI-Tools.
Nachdem die Analyse gezeigt hat, welche KI-Anwendungen derzeit den Markt prägen und welche Technologiegruppen besonders stark vertreten sind, zeigen wir im nächsten Schritt, welche technologischen Trends der Trendmonitor 2025 herausarbeitete. Die Trends werden in den nächsten Trendmonitor-Berichten aufgenommen und überprüft.
Drei technologische Trends im Überblick
1. Mehr intelligente Tutoringsysteme (ITS):
ITS werden in Zukunft deutlich stärker eingesetzt. Generative KI und grosse Sprachmodelle erleichtern die Entwicklung, weil aufwendige Aufgaben wie die Domänen- und Instruktionsmodellierung teilweise automatisiert werden können. So lassen sich die Stärken von bildungsspezifischen Systemen mit den Möglichkeiten generativer KI verbinden und typische Probleme wie Halluzinationen besser vermeiden.
2. Zunahme integrierter Plattformen:
Es entstehen immer mehr Plattformen, die verschiedene KI-Technologien bündeln, von Text- und Bildgenerierung über Übersetzung bis zu Audio- und Videoproduktion oder automatischer Aufgabenkorrektur. Diese Systeme können auch konkrete Lernmaterialien wie OER oder Verlagsinhalte einbinden. Durch Multimodalität, Mehrsprachigkeit und neue Endgeräte wie Mixed-Reality-Brillen eröffnen sich zusätzliche Synergien für Schulen.
3. Aufkommen von KI-Agentensystemen:
Neben den bestehenden Technologiegruppen zeichnet sich ein neuer Trend ab: KI-Agenten. Ähnlich wie Reiseagenten im Alltag könnten sie künftig im Bildungsbereich eingesetzt werden, etwa als zentrale Begleiter, die Aufgaben an spezialisierte Agenten (z. B. für Korrektur, Unterrichtsvorbereitung oder Learning Analytics) weitergeben. So werden viele schulische Funktionen gebündelt. Gleichzeitig rücken Fragen zu Datenschutz und zur Einhaltung des AI Act stärker in den Fokus.