Die UNESCO-Empfehlung zur Ethik der Künstlichen Intelligenz rät dazu, KI-Tools im Bildungsbereich mit Bedacht einzusetzen. KI-Systeme, die beim Lernen eingesetzt werden, sollten in Bezug auf das Monitoring, die Bewertung von Fähigkeiten oder die Vorhersage von Verhaltensweisen der Lernenden ganz genau überprüft werden. KI sollte den Lernprozess unterstützen, ohne dass dadurch kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt werden und ohne dass sensible Informationen abgezogen werden. Das alles muss im Einklang mit den Datenschutzstandards zum Schutz personenbezogener Daten erfolgen. Die Daten, die beim Lernen mit dem KI-System erhoben werden, dürfen nicht missbraucht, zweckentfremdet oder gesetzeswidrig genutzt werden, auch nicht für kommerzielle Zwecke.
Die Deutsche Telekom Stiftung hat mit «KI@Bildung: Lehren und Lernen in der Schule mit Werkzeugen Künstlicher Intelligenz» eine Art Leitfaden entwickelt, der zeigt, wie man KI in der Schule einsetzen kann (siehe Abb. 1). Dabei unterscheidet man drei Ebenen: die Mikroebene für das individuelle Lernen und Üben, die Mesoebene für den Unterricht in Lerngruppen und Klassen und die Makroebene für die Steuerung, Evaluation und Planung von Schulen als Organisation und System.
- Makro-Ebene:KI-Anwendungen können auf Makro-ebene zur Evaluation und Planung eingesetzt werden, um Schulorganisation und -entwicklung zu unterstützen.
- Meso-Ebene: Auf der Meso-Ebene des Unterrichtes und der Prüfens stehen vor allem Anwendungen im Mittelpunkt, die den Lernstand erfassen, das Lernen analysieren, die individuelle Förderung unterstützen und die Klassenorganisation erleichtern. Dabei spielt die Individualisierung des Lernens eine zentrale Rolle. Wichtige Bereiche sind die Diagnose, das Feedback und die Adaption der Unterstützung, die sowohl den Lernenden als auch den Lehrenden helfen.
- Mikro-Ebene: Auf der Mikro-Ebene der einzelnen Schülerinnen und Schüler liegt der Fokus auf dem Lernprozess. KI-Anwendungen können hier zum Einsatz kommen, um selbstgesteuertes Lernen zu fördern, beim Üben zu unterstützen und die Selbsteinschätzung zu erleichtern.
Wie sieht eine Umsetzung konkret aus?
Auf verschiedenen Ebenen kann also Generative Künstliche Intelligenz Eingang in die Bildungslandschaft finden. Während aus konzeptueller Sicht bereits viel Arbeit geleistet wurde, sind konkrete KI-Anwendungen noch wenig im Schulalltag angekommen. Erste KI-Pilotprojekte, wie das der Zuger Stadtschulen konnten allerdings bereits mit positiver Bilanz abschliessen. Das Projekt kann auf der Mikro-Ebene angesiedelt werden. Für das Projekt wurde eine eigene Onlineplattform entwickelt, auf der die Schüler und Schülerinnen in einer kontrollierten Umgebung mit KI-Chatbots interagieren konnten.
Allerdings ist Künstliche Intelligenz noch lange nicht flächendeckend in der Bildungslandschaft im Einsatz und auf jeder vorgestellten Ebene (siehe Abb. 1). Länder wie China konnte da bereits breitere Erfahrungen sammeln. Wir haben uns daher die Frage gestellt, wie Künstliche Intelligenz an Chinas Schulen eingesetzt wird und welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass China im Bereich des KI-Einsatzes im Klassenzimmer eine Vorreiterrolle einnimmt.
Obwohl das Beispiel aus europäischer Perspektive eventuell auf Ablehnung stossen kann, so ist es doch interessant zu sehen, inwiefern andere Länder mit den Chancen und Möglichkeiten von KI-Systemen in der Bildung umgehen. Es gibt verschiedene Gründe warum China eine Vorreiterrolle im Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Bildung einnimmt:
Eine wesentliche Grundlage ist die staatliche Förderung: Das chinesische Bildungsministerium hat 184 Grund- und Mittelschulen als KI-Ausbildungsstätten ausgewählt, um die Entwicklung der KI-Ausbildung gezielt voranzutreiben. Zudem wird KI in China bereits flächendeckend eingesetzt, wie das Beispiel des Programms «Squirrel AI Learning» zeigt, das in 1700 Schulen in 200 Städten genutzt wird. Zudem stösst das umfangreiche Datensammeln und Analysieren auf grössere Akzeptanz in China, so dass Datenmengen über das Lernverhalten der Schüler*innen erfasst und ausgewertet werden können.
Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in der technologischen Infrastruktur. Während es in anderen Ländern oft noch an grundlegenden technischen Voraussetzungen wie WLAN fehlt, verfügen chinesische Schulen in der Regel über die notwendigen Ressourcen, um KI-Anwendungen effektiv zu integrieren. Diese solide Basis fördert auch die hohe Innovationsbereitschaft, die in China vorherrscht. Viele Schulen testen und nutzen neue Technologien, wie etwa intelligente Kameras in Klassenräumen, die das Verhalten der Schüler*innen analysieren.
Generative KI-Systeme bringen einige Möglichkeiten in die Klassenräume der Welt. In welcher Form und welchem Massstab Tools in Europa in die Bildung integriert werden, bleibt jedoch abzuwarten. Das alles wirft die Frage auf, welche Rolle KI in der Bildung überhaupt spielen sollte, auf welcher Ebene soll KI Einsatz finden und in welchem Umfang denn? Was ist deine Meinung dazu? Schreib es uns in die Kommentare.
Quellen:
Zeit online (2024). Schlauer lernen. [21.11.24]