MOOCs sind Massive Open Online Courses (dt. riesiger offener Onlinekurs) und kommen meist in der Hochschul- und Erwachsenenbildung zum Einsatz. In vielen Hochschulen werden solche MOOCS angeboten. Darunter sind vorwiegend videobasierte Onlinekurse mit automatisierten Testformen gemeint. Diese Kurse stehen den Studierenden der jeweiligen Hochschule, sowie teilweise auch der Öffentlichkeit ohne Zugangsbeschränkung, manchmal sogar kostenlos, zur Verfügung.

Allgemein basieren MOOCs auf der Idee eines freien Zugangs zur Bildung und offener Bildungsressourcen OER (Open Educational Resources). Die OER Schweiz schreibt, dass es sich bei Open Educational Resources um Lehr- und Lernmaterial handelt, die frei zugänglich und kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die MOOCs sind eine Spezialform von OER und sollen den Teilnehmenden ermöglichen, Inhalte kollaborativ zu erarbeiten und selbstgesteckte Lernziele zu erreichen.

Erfolg und Entwicklungen von MOOCs

Stephen Downes ist einer der «Erfinder» von MOOCS und Spezialist für Online-Lerntechnologien und neue Medien. Downes ist als Mitbegründer und Verfechter des Konnektivismus bekannt.  Konnektivismus ist eine Theorie, die beschreibt, wie Menschen durch Netzwerkprozesse lernen und Wissen aneignen. An einer Konferenz für die Ausbildung von Gesundheitsberufen (ICHPE) im Iran, hält Downes im Mai 2022 einen Vortrag zur Entwicklung von MOOCs. In der Präsentation schlägt er verschiedene Möglichkeiten vor, wie MOOCs in Zukunft wachsen und sich weiterentwickeln werden, beeinflusst durch den Einsatz von Web3-Technologien, verknüpften Live-Daten, künstlicher Intelligenz und dem Metaverse.

Die meisten MOOC verlieren nach einigen Wochen einen Grossteil der Teilnehmer:innen. Von 100 TN waren nach einer Woche nur noch 50 Personen dabei, nach vier Wochen reduzierte sich die Anzahl auf 35 TN. Verschiedene Untersuchungen versuchten die TN langfristiger an MOOC zu binden, doch die Bemühungen zeigten keine Erfolge. Für Downes ist klar, dass mit Interaktion und Partizipation die Bindung an MOOCs gestärkt werden kann. Als Beispiel nennt er Open Educational Practices (offene Bildungspraktiken), in welchen die Teilnehmenden interaktiv und teilnehmend lernen und Wissen aufbauen können z.B. in kollaborativ erstellten online-Dokumenten wie Google Docs. Mithilfe Google Docs können mehrere Personen zur gleichen Zeit in einem einzigen Dokument zusammenkommen – ein gemeinsamer Austausch wird möglich.

Doch welche möglichen Weiterentwicklungen von MOOCs sind nach Downes wünschenswert?

Dezentrale Kursgestaltung (decentralized course design) 

Im Moment seien die Kurse meist noch zentralisiert organisiert, beschreibt Downes. Es wird ein einziger Mathekurs für verschiedene Fakultäten angeboten. Doch der eine Mathekurs ist nicht unbedingt für alle geeignet. Die Bedürfnisse von Kunststudierenden seien andere, als die Bedürfnisse von Wirtschaftstudent:innen.

Aus diesem Grund könnten die zukünftigen MOOCs in einer dezentralisierten Art und Weise organisiert sein. Verschiedene Mathekurse werden angeboten, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der jeweiligen Studiengänge. Die Vision dahinter ist diejenige, dass die verschiedenen Versionen der Kurse dezentral organisiert sind, doch trotzdem miteinander verknüpft.

Im Rahmen eines Mathematikkurses soll es möglich sein, dass Personen aus der mathematischen, geisteswissenschaftlichen sowie medizinischen Fakultät sich miteinander austauschen und interagieren können. Die verschiedenen Versionen des Mathematikkurses sind also verbunden und ermöglichen Interaktionen zwischen den verschiedenen Studienrichtungen.

Die Technologie federation soll diese Art der Kursgestaltung ermöglichen. Die Technologie folgt dem Prinzip der sozialen Netzwerke. Anstelle eines einzigen zentralen Dienstes wie Twitter, Facebook oder Google gäbe es verschiedene individuelle Dienste, welche miteinander verbunden sind.

Die Verknüpfung von verschiedenen Disziplinen eröffne einen spannenden Austausch und Einblicke über den eigenen Tellerrand hinaus. Und wer weiss, vielleicht lernen schon bald Medizinstudierende neben/mit Studierenden aus der Philosophie.

 

 

 

Quellen:

Downes, S. (2022).The Next Generation of MOOCs . URL: https://www.downes.ca/cgi-bin/page.cgi?presentation=562 [Stand 26.Mai 2022]

 

 

 

 

 

 

 

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