Think Tank Medien und Informatik

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Die JAMES-Studie untersucht alle zwei Jahre das Medienverhalten von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren. In den jeweiligen Zwischenjahren werden einzelne Themenschwerpunkte genauer analysiert. Im Jahr 2022 wurden die Daten aus den vergangenen 10 Jahren vertieft untersucht, um längerfristige Trends und Konstanten im Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen zu erkennen. Untenstehend sind zehn zentrale Befunde aus der Studie zusammengefasst.

Nonmediale Freizeitaktivitäten

Bezüglich nonmedialen Aktivitäten der Jugendlichen befindet sich «Freunde treffen» neu auf Platz 3 (letzte Untersuchung: Platz 1). Bisher ist unklar, ob diese Verschiebung aufgrund der Pandemie auftrat, da sich der Trend schon vor der Pandemie abgezeichnet hatte. Nimmt Zeit verbringen mit Freunden ab, nimmt jedoch die Zeit mit der Familie zu. Sport treiben Jugendliche mit höherem sozioökonomischem Status ausserhalb der Schule öfter als solche mit tieferem Status – eine Lücke, die unbedingt geschlossen werden muss.

Mediennutzung

Die Nutzung des Smartphones steigt (2010 gaben knapp die Hälfte an, ein Handy zu besitzen, während es 2014 bereits 97% waren). Das Handy wird heute viel vielfältiger genutzt als vor 10 Jahren, heutzutage ist eine stark individualisierte Handynutzung möglich. Währenddessen sinken klassische Medien wie Rundfunk und TV. Über die untersuchten zehn Jahre bleibt die Nutzung von Büchern und Games bei den Jugendlichen konstant. Während Gamen jungendominiert ist, ist Bücherlesen mädchendominiert. Ein Interesse an tagesaktuellen und politischen News ist bei Mädchen geringer als bei Jungen, während Fotografieren und Videos drehen, stärker mädchendominiert ist.

In der Unterscheidung nach Herkunft fällt auf, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eine höhere Mediennutzungszeit verzeichnen als solche ohne – das Smartphone ist bei allen das zentrale Gerät, wovon dies bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund stärker der Fall ist. Bei den sozialen Medien zeigt sich Facebook rückläufig, während Snapchat, Instagram und TikTok wachsende Nutzung verzeichnen. Facebook wird häufiger von Personen mit tieferem sozioökonomischem Status genutzt. Der sogenannte Digital Divide, ein Unterschied in der Mediennutzung abhängig von verschiedenen Faktoren, liegt bei der Social-Media-Nutzung von Jugendlichen nicht vor.

Konsum problematischer Inhalte

Während der Konsum von Mediengewalt sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen stabil bleibt, konsumieren und verbreiten Jungen öfter gewalthaltige Videos als Mädchen. Bezüglich des Konsums von Pornografie nähern sich die beiden Geschlechter an, was jedoch auch daran liegen könnte, dass die Umfrage online durchgeführt wurde – ein Format, in welchem eher ehrliche Antworten erwartet werden können.

Abo-Dienste und App-Präferenzen

Jugendliche mit höherem sozioökonomischem Status nutzen öfter Abo-Dienste als solche mit tieferem Status. Der Anteil Handy-Abos – im Gegensatz zu Prepaid – steigt bei Jugendlichen an. Bezüglich der Präferenzen von Apps werden Games seltener zu den Lieblingsapps gezählt als früher, wobei das Smartphone gesamtgesellschaftlich als beliebtestes Gerät gilt, um zu gamen. In den letzten 10 Jahren haben sich abo- und werbefinanzierte Streamingdienste durchgesetzt; so werden Inhalte nicht mehr auf den eigenen Geräten gespeichert, sondern direkt übers Internet abgerufen. Bezüglich der Social-Media-Apps verschieben sich die Präferenzen zugunsten (bewegt) bildzentrierten Plattformen, wobei Instagram als Spitzenreiter gilt.

Langfristige gesellschaftliche Trends und Konstanten & deren Abbild im Medienverhalten

Individualisierung: Stärkere Tendenz zur persönlichen und einzigartig geformten Selbstverwirklichung. Zeitliche & örtliche Entkoppelung der Mediennutzung dank dem Smartphone.

Konnektivität: Trend zu einer immer stärkeren Vernetzung der Gesellschaft. Dieser Trend war die Basis, dass während der Corona-Pandemie ein Fernunterricht überhaupt möglich war. Negative Aspekte: Fortlaufender Dokumentationszwang, ständige Erreichbarkeit.

Gender Shift: Traditionelle Rollenmuster verlieren an Bedeutung. Weiblichkeit und Erotik wird von Mädchen selbstbewusst in den digitalen Alltag eingebettet.

Relationship Minimalism: Wenige, dafür engere Kontakte werden gepflegt. Dies zeigt sich an der Reduktion von Treffen mit Freunden. Es stellt sich die Frage, ob das Onlinenetzwerk eine Art Kompensationsort für das persönliche Netzwerk wird.

Digital Divide: Zeigt sich bei Jugendlichen insbesondere bei textorientierten Informationsmedien. Zeitschriften-, Zeitungs-, Streaming- und Musik-Abos stehen sozioökonomisch bessergestellten Haushalten mehr zur Verfügung. Kein Digital Divide gibt es bei Social Media.

Activity Gap: Jugendliche mit höherem sozioökonomischem Status treiben ausserschulisch mehr Sport als solche mit tieferem Status. Dieser Gap muss geschlossen werden!

Konstanten

  • Lesefrequenz von Büchern
  • Nutzung von Games
  • Konsum von Mediengewalt (trotz Anstieg von Jugendgewalt & -kriminalität bleibt Mediengewalt von konstant)
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund haben höhere Handy-, Internet- und Gamezeiten als Schweizer Jugendliche, auch weil Medien kulturelle Ausdrucksweise sind.

Die gesamte Studie kann hier nachgelesen werden.

Mehr Infos zu den einzelnen Studien sind unter den Link zu den JAMES– und JAMESfocus-Studien zu finden.

Quellen:

ZHAW (o.J.). James-Studie. URL: https://www.zhaw.ch/de/psychologie/forschung/medienpsychologie/mediennutzung/james/ [27.5.22]

ZHAW (o.J.). JAMESfocus. URL: https://www.zhaw.ch/de/psychologie/forschung/medienpsychologie/mediennutzung/james/jamesfocus/ [27.5.22]

 

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