Der Digital News Report 2025 des Reuters Institute for the Study of Journalism zeigt für die Schweiz deutlich, dass Online-Medien mit rund 79 % die wichtigste Nachrichtenquelle sind. Gleichzeitig verlieren klassische Einordnungsmedien weiter an Reichweite: Print wird nur noch von etwa 32 % genutzt, Fernsehen von 51 %. Soziale Medien, die besonders anfällig für die schnelle Verbreitung von Falschinformationen sind, bleiben mit rund 40 % eine relevante Nachrichtenquelle (vgl. Udris & Eisenegger, 2025).
Wer verstehen will, was real ist und was nicht, braucht deshalb Orientierung. Vom 26. Januar bis 1. Februar 2026 setzte das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) den Fokus auf Fake News mit der Themenwoche «Fakt oder Fake». Wir nehmen das zum Anlass, um uns ebenfalls mit dem Thema zu beschäftigen.
Interessant ist die Erkenntnisse aus dem Bericht, dass das das allgemeine Vertrauen tendenziell schwankt. Nach einem dreijährigen Rückgang hat das Vertrauen in Nachrichten kürzlich wieder zugenommen, wenn auch nur in der deutschsprachigen Schweiz. Marken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten geniessen sowohl in der deutschsprachigen als auch in der französischsprachigen Schweiz weiterhin das grösste Vertrauen, gefolgt von Abonnement-Zeitungsmarken. Weniger Vertrauen wird Boulevardzeitungen, digitale Marken und Nachrichten von E-Mail-Anbietern (Blue News, MSN, Yahoo!, GMX) entgegengebracht (vgl. Udris & Eisenegger, 2025).
1. Was mit Fake News gemeint ist
Mit «Fake News» sind meist falsche oder stark verzerrte Informationen gemeint, die wie echte Nachrichten aussehen. Es kann noch genauer unterschieden werden:
Desinformation: Das wissentliche bzw. absichtliche Teilen und Verbreiten von falscher oder irreführender Information, um Schaden anzurichten oder zum eigenen Profit, wird als Desinformation bezeichnet (vgl. Schweizerische Eidgenossenschaft, o.J.)
Misinformation: Misinformation ist auch eine irreführende Information, die jedoch nicht absichtlich – also ohne eine Täuschungsabsicht – verbreitet wurde. Misinformation ist damit ein enorm weiter Begriff. (vgl. Hoffmann, 2023).
2. Warum Fake News heute besonders wirksam sind
Falschmeldungen gab es schon immer. Neu ist, wie schnell und weit sie sich verbreiten. Eine vielzitierte MIT-Studie zeigt: So werden beispielsweise falsche Nachrichten mit einer um 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit retweetet als wahre Nachrichten. Ausserdem dauert es etwa sechsmal so lange, bis wahre Nachrichten 1.500 Menschen erreichen, wie falsche Nachrichten, um die gleiche Anzahl von Menschen zu erreichen (vgl. Dizikes, 2018). Vor allem politische Falschmeldungen verbreiten sich «weiter, schneller und tiefer» als jede andere Kategorie falscher Informationen (vgl. Vosoughi, Roy & Aral, 2018, S. 3).
Aus der jüngsten Befragung des Bundesamtes für Statistik (BFS) nimmt Desinformation allgemein zu. 2025 gaben 58% der Bevölkerung an, auf Websites oder in den sozialen Medien Inhalte angetroffen zu haben, die sie für falsch oder fragwürdig hielten. Besonders junge Menschen unter 30 Jahren und Nutzende von sozialen Medien sind besonders häufig Desinformation ausgesetzt (vgl. Eidgenössisches Departement des Innern EDI, 2025). Damit wird deutlich: Wer im Netz unterwegs ist, kommt an Desinformation kaum vorbei.
Der Umgang mit Falschinformationen hat sich kaum verändert. Etwa die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer überprüft, ob die Inhalte stimmen. Die meisten von denen, die das nicht tun (38 %), glauben, bereits zu wissen, dass die Informationen falsch sind oder aus einer unzuverlässigen Quelle stammen. 15 % sagen, dass ihnen das Wissen oder die Fähigkeiten fehlen, um die Inhalte zu überprüfen (vgl. Eidgenössisches Departement des Innern EDI, 2025).
3. Wie du Fake News im Alltag erkennst
Um Falschmeldungen nicht aufzusitzen, hilft ein kurzer innerer Faktencheck mit ein paar klaren Fragen. Medienkompetenz- und Faktencheck-Stellen empfehlen sehr ähnliche Schritte:
- Quelle prüfen,
- Inhalt einordnen,
- weitere Belege suchen,
- Bilder testen und
- die eigene Emotion reflektieren.
CORRECTIV ist ein deutsches, gemeinnütziges und unabhängiges Medienunternehmen das mit Infoflyer (siehe unten) und praktischen Tipps wie «Wie erkenne ich Falschmeldungen?» dabei hilft, falsche, einseitige oder irreführende Informationen zu entlarven. Auch das Netzwerk Faktencheck von SRF gibt Tipps heraus, wie Fakten erkannt und überprüft werden können: «Wie erkenne ich Fake News?»
Ausgewählte Beiträge aus der SRF Themenwoche «Fakt und Fake»
Wie wir inzwischen erkannt haben, sind Fake News kein Randphänomen mehr, sondern allgegenwärtig. Gerade durch den Einsatz generativer KI wird es immer schwieriger, echte von falschen Informationen zu unterscheiden – selbst für Medienschaffende. In der Themenwoche von SRF geht es nicht nur darum, Fake News zu erkennen, sondern auch darum, ihre Auswirkungen zu verstehen. Was machen die vielen falschen Informationen mit uns, der Demokratie und unserem Leben? Im Zentrum standen Erfahrungen und Beispiele aus dem Publikum. Unter diesem Link gibt es eine Übersicht des Programms der Themenwoche vom 26. Januar bis 1. Februar 2026. Wir stellen einige Highlights vor.
Sendung «Einstein»: What the Fake!? Warum wir drauf reinfallen
Die Sendung zeigt in einem Experiment, wie Menschen aller Altersgruppen im Alltag Fake News erkennen und einordnen. Drei Familien testen an verschiedenen Medienstationen echte und gefälschte Inhalte, wie sie in Social Media schnell auftauchen und wieder verschwinden. Expert*innen erklären die Hintergründe, geben Tipps zum Umgang mit Fake Content und zeigen, wie KI, Bots und Medienmanipulation unsere Wahrnehmung beeinflussen.
Sendung «Puls»: Fakt oder Fake? – Wenn Influencer Medizin machen
Ein weiteres sensibles Thema ist die Gesundheit. Das Netz ist regelrecht geflutet mit Informationen darüber, was gesund oder ungesund ist. Die Sendung «Puls» widmet sich diesem Problem und beleuchtet, wie Influencer:innen und Social Media falsche Gesundheitsinformationen verbreiten und Menschen beeinflussen. Am Beispiel von Morena Diaz, kontroversen Ernährungsthemen oder Mythen wie «Gallensteine ausspülen» wird gezeigt, wie schwer es ist, Fakten von Fakes zu unterscheiden. Experten geben Tipps, wie sich seriöse Quellen erkennen lassen, und prüfen, welche Rolle KI beim Faktencheck spielen kann.
Sendung «Sternstunde Philosophie»: Fake News oder echte Gefahr? Die Wahrheit hinter Desinformation
Die Sendung untersucht, wie Fake News und Desinformation unsere Einschätzung von Nachrichten und die Demokratie beeinflussen. Soziologe Nils Kumkar erklärt, wie gezielt Falschinformationen verbreitet werden, warum sie so schwer zu erkennen sind und welche Wirkung sie tatsächlich haben. Gleichzeitig räumt er mit Missverständnissen über die Bedrohung durch Fake News auf.
Quellen:
Hoffmann, P. (2023). Fake News, Misinformation, Desinformation.