1. Technologische Souveränität als politische Priorität
Ein prägender Trend für 2026 ist das Streben nach digitaler Unabhängigkeit. James Landay (Stanford University) prognostiziert, dass die «KI-Souveränität» massiv an Bedeutung gewinnen wird, da Nationen versuchen, ihre Unabhängigkeit von US-Anbietern und deren politischem System zu demonstrieren (vgl. Lynch, 2025).
2. KI als «digitaler Kollege» in der Arbeitswelt
- KI-Agenten: Diese übernehmen zunehmend autonome Aufgaben. Vasu Jakkal (Microsoft) fordert hierfür klare Sicherheitsvorkehrungen: Jeder Agent benötigt eine eigene Identität und begrenzte Zugriffsrechte, um Risiken zu minimieren (vgl. Microsoft, 2025).
- Messbare Produktivität: Erik Brynjolfsson (Stanford University) erwartet die Einführung von «KI-Wirtschafts-Dashboards», die in Echtzeit messen, wo KI tatsächlich die Produktivität steigert oder Arbeitskräfte verdrängt. Unternehmen werden 2026 voraussichtlich auch offener über gescheiterte KI-Projekte berichten (vgl. Lynch, 2025).
3. Der «ChatGPT-Moment» im Gesundheitswesen
Für die Medizin markiert 2026 einen potenziellen Wendepunkt. Curtis Langlotz (Stanford University) prognostiziert einen «ChatGPT-Moment» für die Medizin, da Modelle nun auf massiven, qualitativ hochwertigen Gesundheitsdaten trainiert werden. Diese neuen biomedizinischen Grundmodelle werden die Genauigkeit medizinischer KI-Systeme verbessern und neue Tools ermöglichen, mit denen seltene und ungewöhnliche Krankheiten diagnostiziert werden können, für die nur wenige Trainingsdatensätze zur Verfügung stehen.
4. Wissenschaft: Die Öffnung der «Black Box»
5. Regulierung und Schutz vor Diskriminierung
- Diskriminierungsschutz: Die Schweiz plant laut Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider, die Bevölkerung stärker vor algorithmischer Diskriminierung zu schützen. Besonders im Fokus stehen sensible Bereiche wie die Kreditvergabe und die Personalbeschaffung. Bis Ende 2026 sollen die Behörden sowohl verbindliche als auch unverbindliche Massnahmen gegen Diskriminierung ausarbeiten, etwa im Gesundheitswesen und in der autonomen Mobilität.(vgl. Ibrahim, 2026).
- Fokus auf Geschäftsmodelle: Der KI-Experte Thilo Stadelmann (ZHAW) ist hält fest, dass neue Technologien mit grossen gesellschaftlichen Auswirkungen reguliert werden müssen. Entscheidend seien dabei weniger die Technologien selbst als vielmehr die Geschäftsmodelle dahinter. Das grösste Risiko für die Gesellschaft entstehe durch profitorientierte Modelle, die KI nutzen, um Aufmerksamkeit zu maximieren und Suchtverhalten zu fördern. Besonders betroffen seien junge Menschen. Als Beispiel nennt er soziale Medien, die mithilfe algorithmischer Systeme gezielt Nutzerbindung erzeugen (vgl. Ibrahim, 2026).