Das Bildungssystem steht mitten in grossen gesellschaftlichen, technischen und ökologischen Veränderungen. Es muss neue Kompetenzen erkennen, fördern und dauerhaft einführen, oft ist die Rede von den so sogenannten Future Skills. Diese Fähigkeiten sollen Menschen nicht nur auf eine sich verändernde Arbeitswelt vorbereiten, sondern sie auch befähigen, aktiv und verantwortungsvoll die Zukunft mitzugestalten.

In den letzten Jahren sind viele unterschiedliche Modelle und Ansätze zu Future Skills entstanden, entwickelt von Schulen, politischen Akteuren, NGOs oder Unternehmensberatungen. Sie unterscheiden sich stark: in der Anzahl der genannten Kompetenzen, in den verwendeten Begriffen, in den theoretischen Grundlagen und in den gesellschaftlichen Zielen. Manche Modelle haben einen eher wirtschaftlich-pragmatischen Fokus, andere betonen Persönlichkeitsentwicklung, Demokratie oder eine transformative Bildung.

Aufgrund der Debatte um ‚Zukunftskompetenzen‘ stellt sich die Frage: Welche Kompetenzen müssen Studierende  entwickeln, um die Zukunft nicht nur zu bewältigen, sondern sie auch konstruktiv gestalten zu können?

Eine aktuelle Metastudie von 2025 hat acht internationale Frameworks für Future Skills (aus den Jahren 2020–2025) verglichen. Dabei zeigt sich: Es gibt erstaunlich viele Überschneidungen – aber auch blinde Flecken und Herausforderungen in der Umsetzung.

Zentrale Erkenntnisse der Metastudie

1. Gleiche Ideen – unterschiedliche Begriffe

Ob Problemlösefähigkeit, Lernfähigkeit, digitale Kompetenzen oder Nachhaltigkeitsorientierung: Alle Frameworks betonen ähnliche Kernkompetenzen. Doch die Begriffe, mit denen sie beschrieben werden, unterscheiden sich stark. Dieses «Sprachwirrwarr» erschwert Vergleich und Umsetzung. Ein gemeinsames Vokabular wäre hier ein echter Gewinn.

In der Metastudie wurden aus acht Frameworks 137 Kompetenzbegriffe gesammelt, vereinfacht und den 17 Future-Skills-Profilen zugeordnet. Die Abbildung zeigt, wie oft einzelne Kompetenzen dabei vorkommen.

Abb. 1: Häufigkeit der Kompetenzthemen in den untersuchten Ansätzen

2. Vom Digital-Genie zum Gestaltungs-Talent

Digitale Fähigkeiten bleiben wichtig, verlieren aber ihre frühere Sonderstellung. Stattdessen rücken Meta-Kompetenzen in den Vordergrund, etwa Systemdenken, Transformationskompetenz oder die Fähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten. Es geht also weniger um das Bedienen digitaler Tools, sondern darum, mit digitalem Wissen sinnvoll, kritisch und kreativ umzugehen.

3. Nachhaltigkeit: ein vernachlässigtes Thema

Obwohl Nachhaltigkeit omnipräsent ist, bleibt sie in vielen Frameworks ein Randthema. «Green Skills» werden meist nur vage erwähnt und selten klar definiert. Genau hier eröffnet sich eine grosse Chance für Organisationseinheiten sowie Bildungsinstitutionen: Nachhaltigkeit als messbare Kompetenz fest in Curricula verankern.

4. Kein One-Size-Fits-All

Future Skills lassen sich nicht einfach von einem Land oder Sektor auf den anderen übertragen. Jedes Bildungssystem und jeder Arbeitsmarkt hat eigene Logiken. Ein globales Rahmenwerk braucht daher einen stabilen Kern, kombiniert mit flexiblen, lokal anpassbaren Modellen.

Ein Werkzeug zur Entwicklung eines eigenen Kompetenzprofils: «Future Skills 4U»

Die Studie empfiehlt die Entwicklung einer Future Skills Literacy. Ziel ist es, dass Organisationen ihre eigenen, massgeschneiderten Kompetenzprofile entwickeln, statt bestehende Frameworks einfach zu kopieren.

Genau hier setzt das Vergleichsportal Future Skills 4U an. Es nutzt 17 Referenzprofile des NextSkills-Ansatzes, um unterschiedliche Frameworks transparent vergleichbar zu machen, unabhängig von ihrer ursprünglichen Begrifflichkeit. So werden Überschneidungen sichtbar, Lücken erkennbar und sinnvolle Ergänzungen möglich.

Das Portal bietet die Chance, bestehende Kompetenzmodelle kritisch zu prüfen und gezielt weiterzuentwickeln. Es lädt dazu ein, neue Perspektiven auf die Arbeit mit Future Skills zu gewinnen.

Quellen:

FutureSkills4U (2025). FUTURE SKILLS 4U. Das Vergleichsportal für Future Skills-Ansätze [27.8.2025]

NextEducation (2025). Metastudie 2025: Future Skills im Vergleich. [27.8.2025]

 

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