Die aktuellen Entwicklungen machen auch vor der Hochschullandschaft nicht halt. Künstliche Intelligenz, globale Vernetzung und eine agile Arbeitswelt fordern auch von Hochschulen, sich neu zu erfinden. Das Buch «Future Skills» zeigt mit den vier Säulen des Wandels, welche Anforderungen an eine Hochschule von Morgen gestellt werden könnte.

Auch die Hochschulbildung steht vor grossen Herausforderungen, die vor allem durch die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und den damit einhergehenden schnellen Veränderungen geprägt sind. Das Open Access-Buch «Future Skills» analysiert diese Veränderungen und beleuchtet, wie sich Hochschulen weiterentwickeln müssen, um den Anforderungen einer globalisierten, innovationsgetriebenen und agilen Arbeitswelt gerecht zu werden.

Im Mittelpunkt steht die NextSkills-Studie, die erstmals ein umfassendes, wissenschaftlich fundiertes Konzept zu Future Skills vorstellt. Dabei handelt es sich um Kompetenzen, die es Studierenden ermöglichen, in einer dynamischen Welt handlungsfähig zu bleiben. Die Studie kombiniert qualitative und quantitative Forschungsmethoden.

Vier Säulen für den Hochschulwandel

Das Buch bietet nicht nur eine tiefgehende Analyse aktueller Entwicklungen, sondern führt verschiedene Perspektiven und Diskussionsstränge zur Zukunft der Hochschulbildung zusammen. Es beschreibt 10 Schlüsselbereiche zukünftiger Hochschulentwicklung und zeigt auf, wie Hochschulen ihre Rolle neu definieren können.

Die vier Säulen des Wandels in der Hochschulbildung sind zentrale Einflussfaktoren, die die Entwicklung der Hochschulen in den nächsten 10 bis 15 Jahren prägen werden. Der Begriff «Säulen» wird als Metapher genutzt, um zu verdeutlichen, dass diese Faktoren zusammen einen Raum schaffen, in dem sich Hochschulbildung weiterentwickelt.

Die Säulen basieren auf Expertenmeinungen, die in mehreren Runden eines Delphiverfahrens gesammelt und angepasst wurden. Die Experten bewerteten die Bedeutung der Säulen und gaben Hinweise, um ihre Formulierung und Relevanz zu verbessern. Das Zusammenspiel dieser Säulen bildet die Grundlage für vier Szenarien zur zukünftigen Hochschulentwicklung.

Entwicklungsrahmen für die Hochschule der Zukunft: Vier Säulen für den Hochschulwandel

Der vier Säulenraum des Delphis für die zukünftige Entwicklung der Hochschulbildung (Ehlers, 2020, S. 264)

Säule 1: Future Skills Fokus

Die Säule 1 meint ein stärkerer Fokus auf Future Skills, welcher die Hochschulbildung verändert: Statt wie bisher vor allem Wissen zu vermitteln, rückt ein neuer Ansatz des Lernens in den Vordergrund. In diesem neuen Modus steht die Anwendung und Reflexion von Wissen sowie die kreative Entwicklung neuer Ideen im Mittelpunkt, anstelle des bloßen Auswendiglernens von Fachwissen.

Säule 3: Personalisierung akademischen Lernens

Die Säule 3 beschreibt einen zentralen Faktor der zukünftigen Hochschulentwicklung, bei dem die Studierenden aktiv in die Gestaltung ihrer Studienprogramme eingebunden werden. Es geht um die Abkehr von starren, vorgegebenen Curricula hin zu einem partizipativen, personalisierten Modell.

Säule 2: Multi-institutionelle Studienverläufe

Die Säule 2 beschreibt den Wandel von einem ein-institutionellen Modell hin zu einer multi-institutionellen Studienerfahrung, bei der Hochschulen in Netzwerken zusammenarbeiten, um Bildung gemeinsam anzubieten. Studierende können Module an verschiedenen Institutionen absolvieren, was bessere Anerkennungsverfahren erfordert und kleinere sowie spezialisierte Hochschulen stärkt.

Säule 4: Lebenslanges Lernen an Hochschulen

Die Säule 4 ergänzt das gegenwärtige Hochschulmodell, das Studierende auf ihren Beruf vorbereitet, durch lebenslanges akademisches Lernen. Bildung wird dabei nicht mehr als abgeschlossene Phase vor dem Berufsleben verstanden, sondern als flexibler, fortlaufender Prozess, der Menschen ermöglicht, sich während ihres gesamten Lebens neuen beruflichen Herausforderungen anzupassen und weiterzubilden.

Die vier Säulen des Wandels in der Hochschulbildung zeigen eindrucksvoll, wie tiefgreifend sich das Verständnis von Bildung und Lernen in den kommenden Jahren verändern könnte oder sich teilweise bereits verändert. Von der Förderung von Future Skills über multi-institutionelle Netzwerke und personalisierte Curricula bis hin zu lebenslangem Lernen – jede dieser Säulen fordert Hochschulen heraus, bestehende Strukturen und Paradigmen neu zu denken.

Was ist deiner Meinung nach bereits im Gange, und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? Welche Entwicklungen siehst du an deiner Institution, und was würdest du dir für die Zukunft wünschen? Wo sind aus deiner Sicht mutigere Schritte notwendig? Wir sind gespannt von dir zu hören.

Quellen:

Ehlers, U.-D. (2020). Vier Szenarien für die Hochschule der Zukunft. In U.-D. Ehlers, Future Skills (S. 263–292). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-29297-3_13

NextEducation (o.J.). Herzlich Willkommen zur Arbeitsgruppe NextEducation: Digitale Transformation von Bildungsprozessen und -institutionen. [17.12.24]

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