Google Education 2022: Die Zukunft der Bildung
Bereits 2022 hat Google for Education einen dreiteiligen globalen Bericht über die Zukunft der Bildung präsentiert, der in Zusammenarbeit mit Canvas8 und unter Beratung des American Institutes for Research (AIR) erstellt wurde. Der Bericht gliedert sich in die Teile:
«Vorbereitung auf eine neue Zukunft»: Bildungsexpert*innen diskutieren, wie Lernende auf den Wandel vorbereitet werden können und welche neue Rolle Bildung dabei einnimmt.
«Besser unterrichten und lernen»: Technologische Fortschritte ermöglichen personalisierte Lernansätze und lösen den klassischen Einheitsunterricht zunehmend ab.
«Lernumgebungen neu erfinden»: Lehrpersonen gestalten Lernräume ganzheitlich und orientieren sich stärker an den individuellen Bedürfnissen der Lernenden.
Zentrale Erkenntnisse von Bildungsexpertinnen aus 24 Ländern betonen die Bedeutung, sowohl fundamentale als auch höhere Denkfähigkeiten sowie Resilienz zu fördern. Die Rolle der Lehrpersonen entwickle sich dabei weiter von der reinen Wissensvermittlung hin zur Lernunterstützung bzw. Coach oder Mentori*in.
Besonders interessant ist Teil 2 des Berichts: Obwohl der grosse Durchbruch der KI-Sprachmodelle für die breite Öffentlichkeit erst im November 2022 mit ChatGPT kam, war Künstliche Intelligenz für Techunternehmen wie Google längst Alltag. Schon damals wurde im ersten Trend festgehalten, dass Fortschritte in der KI und adaptiven Technologien Lehrpersonen wie Lernenden mehr individuelle und ortsunabhängige Lernmöglichkeiten eröffnen könnten (siehe Darstellung unten).
Mit der Veröffentlichung des neuen Papers «AI and the Future of Learning» im November 2025 legt Google nun offen, wie das Unternehmen die Zukunft des Lernens mit Künstlicher Intelligenz konkret sieht. Im Folgenden fassen wir für euch die wichtigsten Inhalte zusammen.
Google: KI und die Zukunft des Lernens
Im November 2025 hat Google sein Positionspapier «AI and the Future of Learning» veröffentlicht, ein Grundsatzdokument, das aufzeigt, wie das Unternehmen die Rolle der Künstlichen Intelligenz im Bildungsbereich versteht. Es handelt sich weniger um einen technischen Bericht als vielmehr um eine Vision: Wie kann KI dazu beitragen, Lernen neu zu gestalten, Lehrpersonen zu entlasten und Bildung gerechter zu machen?
Google betont, dass KI das Potenzial hat, das Lernen tiefgreifend zu verändern, vergleichbar mit historischen Wendepunkten wie der Erfindung des Buchdrucks oder des Internets. Der zentrale Gedanke lautet: KI soll das Lernen nicht ersetzen, sondern erweitern. Lehrpersonen würden im Mittelpunkt bleiben, während KI als lernwissenschaftlich fundierte Assistenztechnologie unterstützt, die Lernprozesse individualisiert und Lernende aktiver einbindet.
Das Unternehmen sieht in Künstlicher Intelligenz eine grosse Chance, Bildung zugänglicher, personalisierter und wissenschaftlich fundierter zu machen. KI soll Lehrpersonen nicht verdrängen, sondern sie unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, dass Lernen menschlicher, neugieriger und wirksamer wird.
Gemäss Google kann Künstliche Intelligenz das Lernen auf verschiedenen Ebenen verbessern, indem sie bewährte Erkenntnisse der Lernwissenschaft praktisch umsetzt. Durch aktive Beteiligung, gezielte Übung und Wiederholung (Spaced Repetition) lassen sich Lernprozesse effizienter gestalten. Dank Personalisierung können Lerninhalte individuell angepasst werden: KI erkennt Wissenslücken, stimmt Aufgaben auf das jeweilige Lernniveau ab und unterstützt Lernende dabei, in ihrer optimalen Zone der proximalen Entwicklung zu bleiben, was nachhaltiges und wirksames Lernen fördert.
Zudem könne KI den Zugang zu Wissen erleichtern, indem komplexe Themen vereinfacht und Barrieren auf digitale Weise überwunden würden. Lernende, die keinen Zugang zu teuren Lehrbüchern oder zusätzlichen Materialien hätten, könnten durch KI-generierte digitale Lerninhalte trotzdem auf qualitativ hochwertiges Lernmaterial zugreifen. Auch sprachliche Hürden lassen sich reduzieren, etwa durch automatische Übersetzungen oder vereinfachte Erklärungen. KI ersetze damit nicht die physische Welt, sondern schaffe digitale Alternativen, die Barrieren konkret abbauten.
Lehrpersonen könnten von KI profitieren, da Routineaufgaben automatisiert würden, sodass mehr Zeit für individuelle Förderung und motivierendes, inspirierendes Unterrichten bliebe.
Google zeigt sich im Paper «AI and the Future of Learning» auch den Herausforderungen des KI-Einsatzes im Bildungsbereich bewusst. Das Unternehmen betont, dass sich Qualitätsunterschiede oder Fehlinformationen bei automatisch generierten Inhalten nicht immer vermeiden lassen, KI kann halluzinieren oder Daten unvollständig prüfen. Auch ungleiche digitale Voraussetzungen, etwa fehlender Internetzugang, veraltete Geräte oder mangelnde digitale Kompetenzen bei Lehrpersonen und Lernenden, können den Nutzen einschränken.
Ebenso müssten Bewertungsformen neu gedacht werden, damit Lernende ihr Wissen aktiv zeigen können, zum Beispiel durch mündliche Prüfungen, Portfolioarbeiten oder Debatten, die KI nicht einfach ersetzen kann. Besonders wichtig seien zudem Datenschutz und Privatsphäre, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Das Paper ist insgesamt klar und nachvollziehbar formuliert. Gerade weil Google die bestehenden Herausforderungen offen benennt, wirkt es reflektiert und schafft Vertrauen oder zumindest den Anspruch, das Lernen wirklich ins Zentrum zu stellen. Google schreibt dazu:
«Unser Ziel ist es, durch die Entwicklung von KI-Produkten, die auf den Grundlagen der Lernwissenschaft basieren und in enger Zusammenarbeit mit der Bildungsgemeinschaft entstehen, zur Verbesserung der Lernergebnisse beizutragen.»