Bob Blume, Bildungsblogger und Lehrer, ging diesen Fragen auf der re:publica 25 nach und begann seinen Vortrag mit einer ganz persönlichen Geschichte. Als Schüler spielte er im Theaterstück «Das Fräulein von Sköderie» mit und kann die Verse noch heute auswendig aufsagen. Dieses Erlebnis beschreibt er als etwas, das ihn so sehr berührt hat, dass es ihm nie wieder aus dem Kopf gegangen ist. Theater, so zeigt er, kann einen so sehr fesseln, dass man unbedingt verstehen möchte, wie eine Figur denkt und handelt.
Diese persönliche Erfahrung nutzt Blume, um uns zu zeigen, wie wichtig es ist, dass Schule nicht nur Wissen vermittelt, sondern Jugendliche auch emotional erreicht. Er spricht über alarmierende Zahlen, das veraltete Schulmodell und darüber, wie wichtig es ist, dass Schule ein Ort wird, an dem junge Menschen sich ausprobieren, wachsen und über sich hinauswachsen können. Hier sind die wichtigsten Punkte seines Vortrags:
Alarmierende Zahlen und fehlende Priorität
Blume nutzt diese Erinnerung, um auf die aktuelle Bildungskrise in Deutschland aufmerksam zu machen und nennt die folgenden Zahlen:
- 50.000 Jugendliche verlassen jedes Jahr ohne Abschluss die Schule.
- Ein Viertel der Schüler*innen bringt nicht einmal grundlegende Kompetenzen mit.
- Ein Fünftel kämpft mit psychischen Problemen.
Mit diese Zahlen möchte Blume aufzeigen, wie ernst die Lage ist und dass Bildung in der Politik nicht die Priorität hat, die sie verdient. Gerade angesichts des demografischen Wandels, bei dem immer weniger Beitragszahlende auf immer mehr Rentner*innen kommen, sei Bildung auch aus wirtschaftlicher Sicht entscheidend.
Schule als Raum für Begegnung und Erleben
Gleichzeitig schildert Blume, wie sich das Lernen im digitalen Zeitalter grundlegend verändert hat. Jugendliche haben jederzeit Zugriff auf unzählige Informationen – Videos, Podcasts, Social Media –, während viele Lehrpersonen kaum noch wissen, was ihre Schüler*innen tatsächlich bewegt. Deshalb gehe es heute nicht mehr nur um die Vermittlung von Wissen, sondern darum, jungen Menschen Orientierung zu geben, sie zu begleiten und Räume zu schaffen, in denen sie sich ausprobieren und Neues entdecken können.
Blume kritisiert daher das klassische Schulmodell mit Frontalunterricht und reiner Wissensvermittlung. In einer Zeit, in der alles «gegoogelt» werden kann, müsse Schule vielmehr ein lebendiger Ort sein, an dem Jugendliche emotionale und soziale Erfahrungen machen können. Dabei bezieht er sich auf die Idee von Hartmut Rosa: Schule sollte ein Raum sein, in dem es «knistert», in dem Schüler*innen sich selbst und die Welt mit neuen Augen sehen können.
Lernen, das berührt und prägt
Schlagworte wie «Future Skills» oder «Schlüsselkompetenzen» sieht Blume kritisch. Sie fordern oft Anpassung und Selbstverantwortung, ohne die tatsächlichen Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Jugendlichen zu berücksichtigen. Stattdessen müsse man mehr auf die echten Erlebnisse junger Menschen schauen.
Besonders eindrücklich wird das für Blume im Theater: Jugendliche, die sich kaum trauen, vor anderen zu sprechen, wachsen hier über sich hinaus. «Anverwandlung» nennt er das. Das Gefühl, sich so sehr mit einer Sache zu identifizieren, dass sie Teil der eigenen Persönlichkeit wird.
Am Ende zieht Blume ein klares Fazit: Schule darf nicht nur «nützlich» sein. Sie muss junge Menschen berühren, ihnen helfen, sich selbst und die Welt zu verstehen. Viele erleben Schule heute noch als gleichgültig oder sogar ablehnend. Blume fordert deshalb, Schule zu einem Ort des Erlebens, des Wachsens und des gemeinsamen Entdeckens zu machen – weit über das reine Pauken von Fakten hinaus.
Wer ist Bob Blume?
Bob Blume ist ein deutscher Lehrer, Bildungsblogger und Autor, der sich intensiv mit zeitgemäßer Bildung, Digitalisierung und dem Einfluss von Technologie auf den Unterricht beschäftigt. Unter dem Namen «Netzlehrer» betreibt er einen Blog und ist in sozialen Medien wie Instagram aktiv, wo er Einblicke in den Schulalltag gibt, Bildungsthemen diskutiert und für eine reflektierte, moderne Schule wirbt.
Er schreibt regelmäßig über pädagogische Themen, Schulentwicklung und digitale Bildung, unter anderem in Büchern wie «Warum noch lernen?» oder «Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse». Er ist bekannt für seine pointierten Vorträge und plädiert dafür, Schule als Resonanzraum zu sehen – einen Ort, an dem Schüler*innen nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern sie auch emotional und sozial berührt werden.
Was ist die re:publica 25?
Die re:publica 25 fand vom 26. bis 28. Mai 2025 in der STATION Berlin statt. Das Festival für die digitale Gesellschaft hatte das Motto «Generation XYZ». Im Programm wurden wichtige Themen aus dem Internet, den Communities und der Digitalisierung besprochen. Dabei ging es um Chancen und Herausforderungen für unsere Gesellschaft.
Die nächste re:publica Berlin findet vom 18. bis 20. Mai 2026 statt. Weitere Informationen werden bald bekanntgegeben und der Ticket-Vorverkauf beginnt Anfang November 2025.
Quellen:
Blume, B. (2025). BILDUNG: Vortrag: Wie Lernen wieder berühren kann. [10.6.2025]