Immer erreichbar – und doch einsam?

Wir schreiben Nachrichten im Bus, schicken Fotos in den Familienchat und sind über das Smartphone fast jederzeit erreichbar. Kontakt zu anderen Menschen ist heute unabhängig von Ort und Zeit möglich. Gleichzeitig wird Einsamkeit immer häufiger öffentlich diskutiert.

Hinweis: Bei der Formulierung dieses Beitrags wurde KI-gestützt gearbeitet.

Wie passt das zusammen? Dieser Beitrag geht der Frage in drei Schritten nach: Zuerst zeigt er, wie verbreitet Einsamkeit ist und wen sie betrifft. Danach geht es darum, wie stark Jugendliche und Erwachsene in der Schweiz digital vernetzt sind. Zum Schluss steht die Frage im Zentrum, was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Einsamkeit ist ein weltweites Thema

Einsamkeit ist kein Randphänomen. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fühlte sich zwischen 2014 und 2023 weltweit fast jede sechste Person einsam. Für die Jahre 2014 bis 2019 schätzt die WHO, dass jährlich rund 871’000 Todesfälle auf Einsamkeit zurückzuführen sind (vgl. WHO, 2025, S. xv).

Neu ist das Problem vermutlich nicht. Die WHO geht davon aus, dass Einsamkeit schon seit Jahren ähnlich verbreitet ist. Mehr Aufmerksamkeit, auch von Regierungen, erhält das Thema aber erst seit der Covid-19-Pandemie und seit die Sorge über die Auswirkungen digitaler Technologien wächst (vgl. WHO, 2025, S. xv).

Wie einsam fühlt sich die Schweiz?

Auch in der Schweiz ist Einsamkeit verbreitet, wie die Gesundheitsstudie 2025 der Krankenversicherung CSS zeigt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (54 Prozent) sucht bei psychischen Belastungen Unterstützung im persönlichen Umfeld. Für viele ist das jedoch nicht selbstverständlich: 70 Prozent kennen das Gefühl, niemanden zu haben, um über Probleme zu sprechen (vgl. CSS, 2025, S. 8).

Ebenfalls 71 Prozent waren schon einmal längere Zeit allein, obwohl sie sich Gesellschaft gewünscht hätten (vgl. CSS, 2025, S. 8). Diese Zahl macht deutlich, dass Alleinsein und Einsamkeit nicht dasselbe sind. Belastend wird es dann, wenn der Wunsch nach Kontakt unerfüllt bleibt.

Direkt gefragt, gibt jede fünfte Person (21 Prozent) an, sich in letzter Zeit (eher) einsam gefühlt zu haben. Dabei unterscheiden sich die Altersgruppen: Bei den 18- bis 35-Jährigen sind es 30 Prozent, bei den 36- bis 65-Jährigen 21 Prozent und bei den über 65-Jährigen 12 Prozent (vgl. CSS, 2025, S. 31). Jüngere Erwachsene berichten in der Schweiz also häufiger von Einsamkeit als ältere Menschen.

Abbildung 1: CSS, 2025, S. 30

Einsamkeit verändert sich mit der Zeit

Dass jüngere Menschen häufiger betroffen sind, war nicht immer so. Langfristige Daten aus Deutschland zeigen zwischen 1992 und 2013 einen Rückgang der Einsamkeit in allen Altersgruppen, insgesamt von 8,3 auf 5,3 Prozent. Am stärksten sank sie bei den über 75-Jährigen, von bis zu 19,5 auf 9 Prozent (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [BMFSFJ], 2024, S. 17–19).

Trotzdem blieben ältere Menschen in diesem Zeitraum am häufigsten betroffen. Der Grund dafür liegt weniger im Alter selbst als in der Häufung belastender Lebensereignisse, etwa Verluste oder gesundheitliche Einschränkungen (vgl. BMFSFJ, 2024, S. 17–19).

Die Covid-19-Pandemie unterbrach diesen Trend. Seit 2013 wird Einsamkeit genauer gemessen, weshalb die neueren Werte mit den früheren nur bedingt vergleichbar sind. Der Anteil der Betroffenen stieg von 7,6 Prozent im Jahr 2017 auf 28,2 Prozent im Jahr 2020. Zugleich kehrte sich das Altersmuster um: Die 18- bis 29-Jährigen waren nun deutlich stärker belastet als die über 75-Jährigen (vgl. BMFSFJ, 2024, S. 17–19).

Bei den Älteren sank die Einsamkeit 2021 rasch wieder auf das Niveau vor der Pandemie. Alle jüngeren Altersgruppen blieben dagegen signifikant stärker belastet als zuvor. Einsamkeit ist damit zu einem Thema geworden, das alle Generationen betrifft (vgl. BMFSFJ, 2024, S. 17–19).

Abbildung 2: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2024, S. 21

Es gibt aber auch Entwicklungen in die andere Richtung. Die Ergebnisse der PISA Studie 2025 zeigt, dass sich Schüler:innen seit 2022 ihrer Schule stärker zugehörig fühlen. In 39 Bildungssystemen stieg der Anteil der Schüler:innen, die sich zugehörig fühlen, und in 48 Systemen fühlten sich weniger Schüler:innen in der Schule einsam (vgl. OECD, 2026, S. 25). Einsamkeit ist also nicht festgeschrieben, sondern verändert sich.

Wie wir digital vernetzt sind

Die Zahlen zur Einsamkeit stehen einem Alltag gegenüber, in dem Kontakt jederzeit möglich ist. Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung nutzen Social Media täglich, in der Deutschschweiz und bei Personen ab 55 Jahren allerdings signifikant seltener. Am häufigsten genutzt wird Instagram: 45 Prozent der Bevölkerung sind täglich dort, gefolgt von Facebook (26 Prozent), Snapchat (16 Prozent) und TikTok (14 Prozent) (vgl. IGEM, 2026).

Besonders fest im Alltag verankert sind digitale Kontakte bei jüngeren Menschen. Bei den 15- bis 34-Jährigen nutzen 72 Prozent Instagram täglich, 44 Prozent Snapchat und 31 Prozent TikTok (vgl. IGEM, 2026). Für Jugendliche ist das Smartphone das zentrale Instrument ihrer sozialen und kulturellen Teilhabe: 99 Prozent besitzen eines, und 98 Prozent nutzen Messenger-Apps, um miteinander zu kommunizieren. WhatsApp verwenden 96 Prozent, und WhatsApp wie auch Snapchat werden von über vier Fünfteln mehrmals pro Woche oder häufiger genutzt (vgl. Külling-Knecht et al., 2024, S. 78).

Allerdings wächst die Mediennutzung Jugendlicher nicht endlos weiter. Zwischen 2022 und 2024 zeigt sich bei vielen Medientätigkeiten eine Sättigung. Soziale Netzwerke, Musik, Games und Videos sind so fest im Alltag verankert, dass neben Schule, Lehre und anderen Freizeitaktivitäten kaum mehr Zeit für zusätzliche Nutzung bleibt (vgl. Külling-Knecht et al., 2024, S. 75).

Die Altersgruppe, die digital besonders aktiv ist, berichtet also auch häufiger von Einsamkeit. Daraus lässt sich aber nicht ohne Weiteres schliessen, dass Social Media einsam macht.

Immer erreichbar – und trotzdem allein?: Das Bild ist differenzierter

Ebenso greift die Annahme zu kurz, das Internet mache Freundschaften nur oberflächlich. Die Soziologin Anne Deremetz spricht von einer Ambivalenz des Digitalen: Es kann Einsamkeit hervorbringen und zugleich lindern (vgl. Deremetz, 2024, S. 19–20). Die grosse Schweizer Freundschaftsstudie des GDI zeigt: Rund jede zehnte neue beste Freundschaft der letzten fünf Jahre ist online entstanden, und zwar besonders oft bei älteren Menschen (vgl. Samochowiec & Bauer, 2023, S. 48). Wer im Alltag keinen Kontakt zu Gleichgesinnten hat, kann online Anschluss finden, und mobilitätseingeschränkten Menschen eröffnet das Netz Kontakte ohne die Hürden des analogen Alltags (vgl. Deremetz, 2024, S. 19). Auch wer neu in die Schweiz zieht, kann etwa über Facebook-Gruppen Freund:innen finden, meist allerdings eher unter anderen Zugezogenen als unter Einheimischen (vgl. Samochowiec & Bauer, 2023, S. 48). Solche spontanen Verbindungen mit Fremden setzen jedoch eine gewisse soziale Übung voraus. Und nicht alle profitieren gleichermassen: Ökonomisch schlechter gestellte Menschen und solche, denen die digitale Welt weniger vertraut ist, darunter auch viele Ältere, laufen Gefahr, ausgeschlossen zu werden, je mehr sich soziales Leben ins Netz verlagert (vgl. Deremetz, 2024, S. 19).

Und doch hat die Sache einen Haken: Wer sehr viel online ist, fühlt sich häufiger einsam als jemand, der das Internet nur selten nutzt (29 gegenüber 21 Prozent). Am deutlichsten zeigt sich das bei Menschen, die ihre Freund:innen oft sehen. Offenbar kommt es also nicht nur darauf an, wie viele Kontakte wir haben, sondern auch darauf, wie präsent wir sind, wenn wir zusammen sind. Die Empfehlung der Studie ist entsprechend simpel: Kennenlernen darf man sich gerne online, beim Treffen gehört das Handy aber in die Tasche (vgl. Samochowiec & Bauer, 2023, S. 48)

Warum intensive Onlinenutzung mit Einsamkeit einhergehen kann, erklärt Deremetz unter anderem mit dem sozialen Vergleich. Likes und Followerzahlen machen Beliebtheit messbar, und oft fällt erst im Vergleich auf, dass man weniger Freund:innen oder Likes hat als andere. Zudem verlernen wir durch die ständige digitale Praxis den direkten Umgang miteinander, was im persönlichen Kontakt verunsichern kann. Und digitale Netzwerke können keine Streicheleinheiten und keine Geborgenheit ersetzen (vgl. Deremetz, 2024, S. 19–20). Einsamkeit mag sich im digitalen Raum zeigen, spürbar werden ihre Folgen aber eher im analogen Leben (vgl. Deremetz, 2024, S. 20).

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2024). Einsamkeitsbarometer 2024: Langzeitentwicklung von Einsamkeit in Deutschland. https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/einsamkeitsbarometer-2024-237576

CSS (2025). Wie geht es Ihnen? CSS Gesundheitsstudie 2025. https://www.css.ch/content/dam/css/de/documents/ueber-css/publikationen/css-gesundheitsstudie-2025-d.pdf

Deremetz, A. (2024). Einsamkeit und Digitalisierung: Gibt es eine digitale Einsamkeit? mediendiskurs, (109), 16–21.

Efevberha, Victor (2026). Tabuthema Einsamkeit: Warum sich immer mehr Menschen allein fühlen. URL: https://www.ndr.de/studio16/tabuthema-einsamkeit-warum-sich-immer-mehr-menschen-allein-fuehlen,einsamkeit-244.html

IGEM (2026). Zusammenfassung IGEM-Digimonitor 2026. URL: https://www.igem.ch/wp-content/uploads/Zusammenfassung-Studie-IGEM-Digimonitor-2026_Mediennutzung-Schweiz.pdf

Külling-Knecht, C., Waller, G., Willemse, I., Deda-Bröchin, S., Suter, L., Streule, P., Settegrana, N., Jochim, M., Bernath, J., & Süss, D. (2024). JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz. Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. URL: https://www.zhaw.ch/storage/hochschule/medien/news/2024/241128_MM_JAMES-Studie/JAMES_Studie_2024.pdf

OECD (2026). PISA 2025 Ergebnisse (Band I – Auszugsweise Übersetzung): Bereit für die Zukunft?, PISA, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/1562a447-de.

Samochowiec, J., & Bauer, J. C. (2023). In guter Gesellschaft Die grosse Schweizer Freundschaftsstudie. GDI Gottlieb Duttweiler Institute.

World Health Organization (2025). From loneliness to social connection: Charting a path to healthier societies. Report of the WHO Commission on Social Connection. World Health Organization.

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