Kaleidoskop des Lernens

«Kaleidoskop des Lernens»: Ein Unterrichtsformat für Schüler*innen zur Zukunft des Lernens

Vor allem Schüler*innen sind gefragt, wenn es um die Zukunft des Lernens geht. Ihre Sichtweisen und Ideen sollen sichtbar gemacht werden. Deshalb hat der Think Tank Medien und Informatik (TTIM) das neue Unterrichtsformat des «Kaleidoskops des Lernens» entwickelt. Die Stärkung einer bisher wenig beachteten Kompetenz steht dabei ebenfalls im Zentrum: Futures Literacy. Im September 2025 konnte das «Kaleidoskop des Lernens» nun mit sechs Schulklassen an einem Oberstufenzentrum zielführend umgesetzt werden.

Ziele des Projekts

Das neue Unterrichtsformat «Kaleidoskop des Lernens» verfolgt folgende vier Ziele:

  • Ideen und Imaginationen von Schüler*innen zum Thema Zukunft des Lernens sichtbar machen
  • Im Prozess der Sichtbarmachung gewohnte Pfade und Vorstellungen verlassen und neue Vorstellungen ermöglichen
  • Die Stärkung der Kompetenz «Futures Literacy»
  • Das Bewusstwerden, dass wir oft nur sehr wenige Vorstellungen haben, wie die Zukunft aussehen könnte
  • Erleben, dass jede Person eine gestalterische Kraft hat, die sie auch im Hinblick auf die Zukunft des (eigenen) Lernens einsetzen kann
Abbildung 1: Die fünf Etappen des neuen Unterrichtformats «Kaleidoskop des Lernens»

 Ein Unterrichtsformat in fünf Etappen

Das «Kaleidoskop des Lernens» besteht aus insgesamt fünf Etappen (Abbildung 1), wobei die fünfte Etappe als optional anzusehen ist. Diese werden idealerweise in Vierergruppen durchlaufen, wobei das notwendige Material auf dem Tisch einer jeden Gruppe bereitgestellt wird.

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der einzelnen Etappen:

Etappe I: Ziel: Einstieg ins Thema & Inspiration. Was passiert? Sechs verschieden Puzzles werden zusammengebaut, somit mit insgesamt 60 Inspirationen. Daran anschliessend findet ein «Puzzle-Walk» statt, um alle Inspirationen zu sehen. Produkt aus dieser Etappe: Zwei sechseckige Karten mit Skizzen/Worten von den Inspirationen füllen, die einen am meisten begeistert haben.

Etappe II: Ziel: Vertiefung durch Fragen zum Thema Lernen. Was passiert? Fragen werden gezogen und beantworten. Produkt aus dieser Etappe: Weitere zwei sechseckige Karten mit Antworten füllen.

Etappe III: Ziel: Lernen neu und ungewohnt denken. Was passiert? In den Vierergruppen werden die bisher gefüllten Sechsecke verdeckt aufgelegt und zufällig drei Sechsecke daraus gezogen. Ein neues Lernsetting wird aus den gezogenen Sechsecken entwickelt. Der Vorgang wird mehrmals wiederholt. Produkt aus dieser Etappe: Weitere zwei sechseckige Karten werden mit neuen Lernsettings gefüllt.

Etappe IV: Ziel: Persönliches Kaleidoskop zusammensetzen. Was passiert? Zusammenfügen der sechs bisher gezeichneten/gefüllten Sechsecke zum persönlichen Kaleidoskop (siehe Abbildung 1). (Optional: Einschätzung der auf den Sechsecken dargestellten Ideen nach den Kriterien ‘begeistert mich immer noch voll’ (gelber Punkt), ‘macht mich neugierig’ (oranger Punkt), ‘macht mich nachdenklich’ (roter Punkt) und ‘möchte ich lieber doch nicht’ (schwarzer Punkt)). Danach: Füllen des Mitte-Sechsecks mit der eigenen Favorit-Idee (z.B. Kennzeichnung durch Pfeil). Produkt aus dieser Etappe: Persönliches Kaleidoskop aus sieben Sechsecken.

Etappe V (optional): Ziel: Detailreiche Ausgestaltung der Favorit-Idee quasi als Rückseite des persönlichen Kaleidoskops (zur Verfügung steht nun die ganze Fläche).

Das Kaleidoskop als Metapher für die Beschäftigung mit Zukünften

«…grün, blau, violett, golden… laufend neue Kombinationen aus farbigen Steinchen…schaut doch auch durch euer Kaleidoskop…» so wird das «Kaleidoskop des Lernens» eröffnet und die Schüler*innen aufgefordert, durch das vor ihnen liegende kleine Kaleidoskop zu blicken. «Die Hauptfigur, die euch durch den Tag begleiten wird, ist ein Künstler namens Lior, der ein Kaleidoskop bauen möchte, das nicht aus Spiegeln und farbigen Steinchen besteht, sondern aus Ideen. Aus euren Ideen, wie das Lernen in Zukunft aussehen könnte!». Ein Hörbuch wird gestartet, das den Künstler Lior zu Wort kommen lässt. Er stellt sich zunächst als Person vor und führt dann durch die insgesamt sechs Teile des «Kaleidoskop des Lernens».

Angelehnt an die Methodik der schon etablierten Zukünftelabore für Erwachsene (siehe Stefan Bergheim) wurde das Format «Kaleidoskop des Lernens» gezielt für den Einsatz an Schulen entwickelt. Der Grad der Abstraktion wurde hierfür angepasst und spielerisch-entdeckende Elemente eingefügt. Die als Audio aufgezeichnete Rahmengeschichte des Künstlers Lior (=Hörbuch), die durch das gesamte «Kaleidoskop des Lernens» begleitet, hilft beim Verstehen der Arbeitsaufträge und beim Aufrechterhalten der Motivation.

Anwendungsbeispiel

Im September 2025 wurde das Kaleidoskop des Lernens am Oberstufenzentrum Zollbrück mit insgesamt sechs Schulklassen durchgeführt. Abbildung 2 zeigt einige Beispiele von visualisierten Ideen und erstellten persönlichen Kaleidoskopen.

Abbildung 2: Beispiele von Ideen zur Zukunft des Lernens, die im Rahmen des «Kaleidoskop des Lernens» entstanden sind

Wie weiter?

Geplant ist nun, dass bis zum Jahresende 2025 aus dem bisherigen Konzept ein IdeenSet an der PHBern entsteht, das Lehrpersonen ermöglicht, das «Kaleidoskop des Lernens» im eigenen Unterricht ohne grossen Aufwand umzusetzen. Hierfür wird das Unterrichtsmaterial inklusive Hörbuch und didaktischem Kommentar als OER zum Download in der Mediothek zur Verfügung gestellt. Zusätzlich kann eine Materialkiste ausgeliehen werden, um das neue Unterrichtsformat im eigenen Klassenzimmer mit echten Kaleidoskopen, Puzzles und gedruckten Fragekarten durchzuführen.

Kontakt

Bei Fragen zum «Kaleidoskop des Lernens» gerne ein E-Mail an Angelika Neudecker vom Think Tank Medien und Informatik (angelika.neudecker@phbern.ch) oder an Patrik Böhler vom Institut für Weiterbildung und Dienstleistungen (patrik.boehler@phbern.ch).

Projektbeteiligte

Dr. Angelika Neudecker 
Patrik Böhler 

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