Bei Jugendlichen auf der Sekundarstufe I trägt die freizeitorientierte Mediennutzung, z. B. durch Computerspiele, Streaming-Dienste oder soziale Medien, zunehmend zu einem impliziten Fremdsprachenlernen ausserhalb des regulären Unterrichts bei. Welche Auswirkungen hat das auf den Unterricht? Trifft dies auf ALLE Lernenden zu? Inwiefern müssten die im Unterricht anzustrebenden Kompetenzen angepasst werden?
Mittels Fragebogen untersuchten wir den Anteil informellen, ausserschulischen Lernens in den Fremdsprachen Englisch und Französisch. Zusätzlich wurde das Sprachkompetenzniveau der Schüler*innen durch einen C-Test ermittelt.
Die Datenerhebung erfolgte in 14 Klassen der Sekundarstufe I (N=261 Schüler*innen) und zielte auf die Beantwortung folgender Forschungsfragen:
Die erfassten Medienarten umfassten:
Bei unserer Untersuchung haben wir bisher folgende Erkenntnisse gewonnen:
Die Schüler*innen nutzen nur zwei Medienarten häufiger auf Deutsch als auf Englisch:
Bei allen anderen Medienarten ist die Nutzung auf Englisch gleich häufig oder sogar häufiger (besonders bei Musik) als auf Deutsch. Französischsprachige Medien werden laut Angaben der Schüler*innen in allen Kategorien ausser Musik deutlich am wenigsten genutzt.
Zur Selbsteinschätzung der Sprachkompetenz nach Fertigkeiten nutzten wir folgende Skala:
Für die objektive Sprachkompetenzerfassung kamen C-Tests für Englisch und Französisch zum Einsatz.
Für Englisch zeigt sich ein schwacher Zusammenhang zwischen dem C-Test-Ergebnis und der Nutzung kürzerer Texte und Videos (vermutlich auch soziale Medien). Die übrigen Nutzungsarten scheinen in unserer Stichprobe nicht mit dem C-Test-Ergebnis zu korrelieren.
Einschränkend ist anzumerken: Die Stichprobe ist relativ klein und die Nutzungshäufigkeit basiert auf Selbsteinschätzungen.
Deskriptive Auswertung zum formalen Lernen Beispielitems zur Einstellung gegenüber formalem Lernen:
Beispielitems Einstellung formales Lernen*:
*Likert-Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 5 (stimme voll und ganz zu)
Im Fach Französisch ist ein Zusammenhang zwischen der Einstellung zum Unterricht und dem Sprachniveau erkennbar: Schüler*innen mit besseren C-Test-Ergebnissen bewerten die Rolle des Unterrichts positiver. Für Englisch konnten wir keine derartigen Zusammenhänge nachweisen, was die Frage aufwirft: Spielt der Unterricht für Englisch eine geringere Rolle bzw. haben andere Faktoren einen grösseren Einfluss?
Für beide Fächer gilt: Die Motivation korreliert mit dem Sprachniveau bzw. der Selbsteinschätzung des Sprachniveaus. Diese Korrelation ist bei der Selbsteinschätzung stärker ausgeprägt als beim objektiven C-Test.
Geschlechtsspezifische Unterschiede:
Die Auswertungen werden erst im Sommer 2026 abgeschlossen sein. Anschliessend wird diese Projektseite überarbeitet.
Leitung
Meike Raaflaub | meike.raaflaub@phbern.ch
Brigitte Reber | brigitte.reber@phbern.ch
Laufzeit
August 2023 bis Juli 2024