Think Tank Medien und Informatik

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Seit dem Dezember 2022 ist ChatGPT für die breite Öffentlichkeit zugänglich und versetzte die Welt in Aufruhr. Für Bildungsinstitutionen weltweit stellt sich unmittelbar danach die Frage: Wie gehen wir mit der Künstlichen Intelligenz um? Inwiefern dürfen bzw. sollen Chatbots genutzt werden?

Eins scheint sicher, die Augen vor den Entwicklungen zu verschliessen, sei die falsche Reaktion. Schliesslich hätte man bereits bei der Einführung des Taschenrechners die Hände verworfen und sich davor gefürchtet, dass in Zukunft niemand mehr einfachste Rechenaufgabe im Kopf lösen könne. Inzwischen ist die Angst davor verflogen. Der Taschenrechner ist nicht mehr wegzudenken und wenige würden sich heute noch darüber echauffieren, dass Taschenrechner Eingang im Unterricht finden. Es ist davon auszugehen, dass sich der Tumult rund um ChatGPT & Co. mit der Zeit ebenfalls legen wird und einem natürlichen und ausbalancierten Umgang mit dem Werkzeug Platz macht.

Textgeneratoren als Werkzeug

Schliesslich ist ChatGPT nicht mehr als ein Werkzeug, das den Menschen helfen kann, gewisse Aufgaben zu lösen. Davon ist Stefan Knecht, Sekundarlehrperson und Medienverantwortlicher an der Schule Wangen an der Aare, überzeugt. Am Freitag 3. März 2023 stellte Knecht seine und die Erfahrungen der Schule Wangen an der Aare im Umgang mit Künstlicher Intelligenz vor. Während der 45 – minütigen Präsentation kann er zeigen, wie Technologien in der Schule Einsatz finden und in welchen Formen neue Medien in den Unterricht integriert werden. 

Im ersten Drittel seiner Präsentation schildert der Sekundarlehrer einige Unterrichtssituationen und die technische Ausstattung der Schule, bevor ab der 17. Minute KI-Anwendungen im Unterricht thematisiert werden. 

Während der Präsentation wird klar, dass dies eine Schule ist, die neue Technologien nicht fürchtet, sondern einen sinnvollen und nachhaltigen Umgang damit verfolgt. Ein Vorteil ist sicherlich, dass den Schüler:innen bereits ab der 1. Klasse Tablets zur Verfügung stehen. Ab der 5. Klasse besitzt jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes Tablet, dass sie mit einem Kaufvertrag erwerben und am Ende der Schulzeit im Besitz der Schüler:innen bleibt. 

ChatGPT & Co.

Eine Schülerin Knechts konfrontiert eines Tages den Sekundarlehrer dann auch mit der Frage: «Ich habe eine Frage zur Dokumentation der IPA. Kann man für den Theorieteil ChatGPT brauchen und ihn als Quelle angeben?». Die Lehrperson muss sich zuerst darüber Gedanken machen und eigenen Recherchen anstellen. Schliesslich gibt es neben ChatGPT noch weitere Tools die eingesetzt werden können. Tatsächlich scheint der Chatbot Perplexity AI eine sinnvolleres Tool für das Bildungsumfeld zu sein. Wir eine Frage dem Chatbot gestellt, so spuckt das Tool direkt eine passende Antwort, inklusive Quellenangaben und verwandten Fragestellungen aus. 

11 ChatGPT Alternativen (Quelle: Blogmojo)

Umgang mit der nächsten Etappe der Digitalen Transformation

Im Vortrag «ChatGPT – der iPhone-Moment für KI?» von Beat Döbeli Honegger wird darüber diskutiert, wie mit der neusten Generation Textgeneratoren umgegangen werden solle. In seinem Referat zitiert er Amaras Gesetz, das geprägt wurde durch den Zukunftsforscher Roy Amara:

«Wir neigen dazu, die Wirkung einer Technologie kurzfristig zu überschätzen und auf lange Sicht zu unterschätzen.»

 

Es geht darum zu erkennen, dass im Moment die Diskussion rund um ChatGPT in der Massenmedien meist zu stark auf die kurzfristigen Auswirkungen fokussiert, welche bald an Wichtigkeit verlieren werden und dabei die langfristigen Auswirkungen vernachlässigt. Roy Amara beschrieb dieses Phänomen bereits im Amara Gesetz während das Beratungsunternehmen Garner Inc. dies im Hype-Zyklus illustrierte:

Hype-Zyklus nach dem Beratungsunternehmen Gartner Inc. (Quelle: wikipedia)

Wie weiter in der Schule?

ChatGPT kam schnell und bereits gibt es unzählige Alternativen. Fast täglich gibt es Neuerungen und was heute erzählt wird, ist meist morgen schon wieder überholt. Für die Lehre bedeutet dies, dass Unterrichtsmaterial rund um ChatGPT eine kurze Halbwertszeit geniesst. 

Beat Döbeli Honegger weist im Referat darauf hin, dass zwischen Konzeptwissen, Produktwissen und Versionswissen unterschieden werden muss. Dabei muss sichergestellt werden, dass das grundlegende Konzeptwissen vor lauter Neuerungen im Produkt- bzw. Versionsbereich nicht in Vergessenheit gerät. Schliesslich fusst das Produkt- und Versionswissen rund um GPT3.5 und Chat GPT auf relevanten Konzepten wie «Machine Learning» mit der Unterabteilung «Large Language Models». Dieses Konzeptwissen ist somit grundlegend und langlebiger. Es sei diejenige Flughöhe, auf welche Pädagogische Hochschulen und die Zielstufe den Fokus legen solle: «Was bedeuten diese Phänomene für Schulen und Hochschulen?»

Konzeptwissen - Produktwissen - Versionswissen (Quelle: ChatGPT - der iPhone-Moment für KI?)

Quellen

Döbeli Honegger, Beat (2023). ChatGPT & Schule. Einschätzungen der Professur «Digitalisierung und Bildung» der Pädagogischen Hochschule Schwyz. Version 1.28 vom 26.01.2023, doi:10.5281/zenodo.7573314) [6.3.23]

Döbeli Honegger, Beat (2023). ChatGPT – der iPhone-Moment für KI. URL: https://beat.doebe.li/talks/phsz23/ [6.3.23]

Medien und  Informatik Sek 1 PH Bern(2013). ChatGPT Sek1. URL: https://tube.switch.ch/videos/57pf199GuH

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