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Das World Economic Forum (WEF) veröffentlichte 2020 den Bericht „The Future of Jobs Report 2020“ , welcher die erwarteten Aussichten für Unternehmen in Bezug auf Technologieeinsatz, Arbeitsplätze und Qualifikationen für die nächsten fünf Jahre aufzeigte.

Das World Economic Forum (WEF) veröffentlichte 2020 den Bericht „The Future of Jobs Report 2020“ , welcher die erwarteten Aussichten für Unternehmen in Bezug auf Technologieeinsatz, Arbeitsplätze und Qualifikationen für die nächsten fünf Jahre aufzeigte. 

Der Bericht fusst auf qualitativen und quantitativen Informationen und beinhaltet Ansichten von Führungskräften aus der Wirtschaft, Menschen die an vorderster Front der Entscheidungsfindung im Bereich Humankapital stehen. Zudem fasst der Bericht Daten aus öffentlichen und privaten Quellen zusammen, um ein klareres Bild der aktuellen Situation als auch der Zukunftsaussichten für Arbeitsplätze und Qualifikationen zeichnen zu können. Ausserdem enthält der Bericht detaillierte Informationen für 15 Industriesektoren und 26 fortgeschrittenen und aufstrebenden Ländern. 

Im folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse aus dem Bericht aufgeführt. Der ausführliche Bericht kann hier nachgelesen werden. 

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Bericht:

  • Technologischer Fortschritt „Digitalisierung“ schreitet in hohem Tempo voran

Es wird erwartet, dass der technologische Wandel weiter in hohem Tempo voranschreitet und sich in einigen Bereichen sogar beschleunigen wird. Die Einführung von Cloud Computing, Big Data und E-Commerce hat für Unternehmensführungen weiterhin hohe Priorität und folgt damit einem Trend der vergangenen Jahre. Aber auch das Interesse an Verschlüsselung, nichthumanoiden Robotern und künstlicher Intelligenz ist deutlich gestiegen.

  • „Doppelte Störung“: COVID-19 Pandemie und Automatisierung

Aufgrund der Automatisierung und der COVID-19-Rezession wird eine „doppelte Störung“ für Arbeitnehmende erwartet. Zusätzlich zu den pandemiebedingten Schliessungen und dem wirtschaftlichen Abschwung wird der technologische Wandel Aufgaben, Arbeitsplätze und Qualifikationsanforderungen in Unternehmen verändern. 43% der befragten Unternehmen gaben an, dass sie ihre Belegschaft aufgrund des technologischen Fortschritts reduzieren werden. 41% planen, vermehrt Arbeitskräfte für aufgabenspezifische Arbeiten einzusetzen und 34% planen, ihre Belegschaft aufgrund des Technologieeinsatzes zu erweitern. 

  • Verschiebung der Arbeitsplätze

In Zukunft werden mehr Arbeitsplätze verschwinden als neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen verlangsamt sich im Gegensatz zu früheren Jahren, während sich die Vernichtung von Arbeitsplätzen beschleunigt. Die Arbeitgebenden gehen davon aus, dass bis 2025 der Anteil der zunehmend überflüssig werdenden Stellen von 15,4 % auf 9 % (Rückgang um 6,4 %) zurückgehen wird und dass der Anteil der neu entstehenden Berufe an der Gesamtbelegschaft der befragten Unternehmen von 7,8 % auf 13,5 % (Anstieg um 5,7 %) steigen wird. Aufgrund dieser Zahlen schätzt der Report, dass bis 2025 85 Millionen Arbeitsplätze durch eine Verschiebung der Arbeitsteilung zwischen Menschen und Maschinen verdrängt werden könnten, während 97 Millionen neue Rollen entstehen könnten, die besser an die neue Arbeitsteilung zwischen Menschen, Maschinen und Algorithmen angepasst sind.

  • Lebenslanges Lernen: Qualifikationslücken schliessen

Die Qualifikationslücken sind nach wie vor groß, da sich die nachgefragten Qualifikationen in den nächsten fünf Jahren berufsübergreifend ändern werden. Zu den wichtigsten Fähigkeiten und Qualifikationen, die nach Ansicht der Arbeitgebenden bis 2025 an Bedeutung gewinnen werden, gehören kritisches Denken und Analyse sowie Problemlösung und Fähigkeiten zum Selbstmanagement wie aktives Lernen, Belastbarkeit, Stresstoleranz und Flexibilität. Im Durchschnitt schätzen die Unternehmen, dass etwa 40 % der Arbeitnehmer:innen eine Umschulung von sechs Monaten oder weniger benötigen werden, und 94 % der Unternehmensleiter:innen  geben an, dass sie erwarten, dass ihre Mitarbeitenden neue Fähigkeiten am Arbeitsplatz erwerben, ein deutlicher Anstieg gegenüber 65 % im Jahr 2018.

  • Arbeit im Homeoffice

Die Zukunft der Arbeit ist für eine große Mehrheit der Online-Angestellten bereits angebrochen. 84% der Arbeitgeber:innen werden ihre Arbeitsprozesse rasch digitalisieren, einschließlich einer erheblichen Ausweitung der Arbeit im Homeoffice – mit dem Potenzial, dass 44 % ihrer Belegschaft aus der Ferne arbeiten werden. Um den Bedenken hinsichtlich der Produktivität und des Wohlbefindens entgegenzuwirken, erwartet etwa ein Drittel aller Arbeitgeber:innen, dass sie auch Maßnahmen ergreifen werden, um mit Hilfe digitaler Tools ein Gefühl der Gemeinschaft, der Verbundenheit und der Zugehörigkeit unter den Mitarbeitenden zu schaffen und die mit der Verlagerung der Arbeit in die Ferne verbundenen Herausforderungen für das Wohlbefinden anzugehen.

  • Verschärfung von Ungleichheiten

Wenn keine proaktiven Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die Ungleichheit durch die doppelte Auswirkung der Technologie und der pandemischen Rezession wahrscheinlich noch verschärfen. Arbeitsplätze von Niedriglohnempfänger:innen, Frauen und jüngeren Arbeitnehmenden werden in der ersten Phase des wirtschaftlichen Abschwungs stärker in Mitleidenschaft gezogen. Vergleicht man die Auswirkungen der globalen Finanzkrise von 2008 auf Personen mit niedrigerem Bildungsniveau mit den Auswirkungen der COVID-19-Krise, so sind die Auswirkungen heute weitaus gravierender und werden bestehende Ungleichheiten wahrscheinlich noch verschärfen.

  • Online-Ausbildungen auf dem Vormarsch

Das Online-Lernen und die Online-Ausbildung sind auf dem Vormarsch, sehen aber für Erwerbstätige und Arbeitslose unterschiedlich aus. Die Zahl der Personen, die aus eigener Initiative nach Online-Lernmöglichkeiten suchen, hat sich vervierfacht, die Zahl der Arbeitgeber:innen, die ihren Arbeitnehmern Online-Lernmöglichkeiten anbieten, hat sich verfünffacht und die Zahl der Lernenden, die über staatliche Programme Zugang zum Online-Lernen haben, hat sich verneunfacht. Erwerbstätige legen größeren Wert auf Kurse zur persönlichen Entwicklung, die in dieser Bevölkerungsgruppe um 88 % zugenommen haben. Arbeitslose legen mehr Wert auf das Erlernen digitaler Fähigkeiten wie Datenanalyse, Informatik und Informationstechnologie.

  • Höherqualifizierung im knappen Zeitfenster

Das Zeitfenster für die Umschulung und Höherqualifizierung von Arbeitnehmenden ist auf dem nun angespannten Arbeitsmarkt kleiner geworden. Dies gilt sowohl für Arbeitnehmer:innen, die wahrscheinlich in ihrer Position bleiben werden, als auch für diejenigen, die aufgrund der steigenden rezessionsbedingten Arbeitslosigkeit Gefahr laufen, ihre Position zu verlieren und nicht mehr mit einer Umschulung am Arbeitsplatz rechnen können. Bei den Arbeitnehmenden, die in ihren Positionen bleiben werden, wird sich der Anteil der Kernqualifikationen in den nächsten fünf Jahren um 40 % ändern, und 50 % aller Arbeitnehmer:innen werden eine Umschulung benötigen (plus 4 %).

  • Investitionen ins Humankapital

Trotz des derzeitigen Wirtschaftsabschwungs erkennt die große Mehrheit der Arbeitgeber:innen den Wert von Humankapitalinvestitionen an. Im Durchschnitt erwarten 66 % der befragten Arbeitgeber:innen, dass sich ihre Investitionen in die Aus- und Weiterbildung innerhalb eines Jahres auszahlen werden. Angesichts des derzeitigen wirtschaftlichen Schocks könnte dieser Zeithorizont jedoch für viele Arbeitgeber:innen zu lang sein, und fast 17 % sind sich nicht sicher, ob sich ihre Investitionen auszahlen werden. Im Durchschnitt gehen die Arbeitgeber:innen davon aus, dass sie bis 2025 für etwas mehr als 70 % ihrer Mitarbeitenden Umschulungs- und Weiterbildungskurse anbieten werden. Die Beteiligung der Arbeitnehmer:innen an diesen Kursen lässt jedoch zu wünschen übrig, da nur 42 % der Arbeitnehmenden die vom Arbeitgebenden unterstützten Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten wahrnehmen.

  • Unternehmensführung mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung

Die Unternehmen müssen in das Human- und Sozialkapital investieren, indem sie Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung (ESG = Environmental Social Governance) einführen. Bei ESG handelt es sich um einen freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Anforderungen herausgeht. Eine beträchtliche Anzahl von Unternehmensführern hat erkannt, dass die Umschulung von Mitarbeitenden sowohl kosteneffizient ist als auch mittel- bis langfristig erhebliche Vorteile bringt – nicht nur für das eigene Unternehmen, sondern auch zum Nutzen der Gesellschaft im weiteren Sinne. Die Unternehmen hoffen, fast 50 % der Arbeitnehmer:innen, die durch die zunehmende technologische Automatisierung freigesetzt werden, intern neu einsetzen zu können, anstatt in größerem Umfang auf Entlassungen und automatisierungsbedingte Arbeitseinsparungen als zentrale Personalstrategie zurückzugreifen.

  • Unterstützung durch den Staat

Der öffentliche Sektor muss die Umschulung und Höherqualifizierung von gefährdeten oder entlassenen Arbeitnehmenden stärker unterstützen. Derzeit geben nur 21 % der Unternehmen an, dass sie öffentliche Mittel für die Umschulung und Höherqualifizierung ihrer Mitarbeiter:innen in Anspruch nehmen können. Der öffentliche Sektor muss Anreize für Investitionen in die Märkte und Arbeitsplätze von morgen schaffen, stärkere Sicherheitsnetze für entlassene Arbeitnehmer:innen inmitten von Arbeitsplatzwechseln bereitstellen und die seit langem aufgeschobenen Verbesserungen der Bildungs- und Ausbildungssysteme entschlossen in Angriff nehmen. Zudem müssen Regierungen weiterhin betroffene Unternehmen bei der Bewältigung von längerfristigen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie unterstützen.

Quellen:

World Economic Forum (2020). The Future of Jobs Report. URL: https://www.weforum.org/reports/the-future-of-jobs-report-2020/digest/ [18.6.22]

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